Ein Schritt hin zu einer wichtigen Reform zur Förderung der alternativen Streitbeilegung im Neuen Usbekistan
Am 21. April 2026 wurde das Gesetz „Über die Einführung von Änderungen und Ergänzungen bestimmter Rechtsakte der Republik Usbekistan im Zusammenhang mit der Verbesserung der Tätigkeit von Schiedsgerichten und der Stärkung der Haushaltsdisziplin“ verabschiedet.

Wir sprachen mit Foziljon Otakhonov, Doktor der Rechtswissenschaften, Professor und Schiedsrichter, über den Kern und die Bedeutung des Gesetzes.
– In Neuem Usbekistan ist die Entwicklung alternativer Streitbeilegungsmechanismen zu einem der Schlüsselbereiche der staatlichen Rechtspolitik geworden.
Schiedsgerichte entwickeln sich zu einem wichtigen Instrument für den raschen und wirksamen Schutz der Rechte von Bürgern und Unternehmen.
Die rechtliche Grundlage dieser Institution ist in unserer Verfassung verankert, wonach jeder das Recht hat, seine Rechte mit allen gesetzlich nicht verbotenen Mitteln zu schützen.
– Welches Gesetz schuf die rechtliche Grundlage für Schiedsgerichte?
– Das 2006 verabschiedete Gesetz „Über Schiedsgerichte“ schuf die Rechtsgrundlage für diese Institution. Es definiert klar den Status von Schiedsgerichten, die Grundsätze ihrer Arbeitsweise, das Verfahren für Schiedsverfahren, Schiedsvereinbarungen sowie die Anforderungen an Schiedsrichter. Dieses Gesetz spielte eine wichtige Rolle bei der Etablierung von Schiedsgerichten als nichtstaatliche Institution und bei der Einführung eines Mechanismus zur alternativen Beilegung wirtschaftlicher Streitigkeiten.
– Welche Probleme wurden in diesem Bereich in den letzten Jahren beobachtet?
– Analysen der Praxis haben gezeigt, dass die Befugnisse der Schiedsgerichte in einigen Fällen in gesetzeswidriger Weise genutzt wurden. Insbesondere wurden Fälle festgestellt, in denen Schiedsgerichte Streitigkeiten mit Beteiligung staatlicher Organisationen sowie Streitigkeiten über öffentliche Aufträge verhandelten.
Dies hatte negative Auswirkungen auf die Interessen der Steuerzahler. Darüber hinaus kam es zu einem deutlichen Anstieg der Fälle, in denen zuständige Gerichte Schiedssprüche aufhoben. So haben Wirtschaftsgerichte im Jahr 2020 sieben Schiedssprüche aufgehoben, und bis 2024 war diese Zahl auf 391 gestiegen.
– Das neue Gesetz wurde also erlassen, um diese Probleme zu beheben, richtig?
– Das neue Gesetz soll diese Probleme beseitigen. Sein Zweck ist es, die Tätigkeit der Schiedsgerichte an internationale Standards anzupassen, staatliche Interessen zu schützen und die Haushaltsdisziplin zu stärken.
Das Gesetz ergänzte das Gesetz über die Verwaltungshaftung durch Hinzufügung von Artikel 175-9. Nach diesem Artikel werden Beamte mit einer Geldstrafe in Höhe des fünf- bis zehnfachen des Berechnungsgrundbetrags belegt, wenn sie unrechtmäßig Schiedsgerichte einrichten, staatliche Stellen, Organisationen und Institutionen, Unternehmen mit staatlicher Beteiligung sowie zivilgesellschaftliche Einrichtungen als Parteien in Schiedsvereinbarungen einbeziehen oder wenn diese Einrichtungen Schiedssprüche unrechtmäßig freiwillig vollstrecken.
Werden diese Verstöße innerhalb eines Jahres nach Verhängung einer Verwaltungsstrafe wiederholt begangen, wird gegen die Beamten eine Geldstrafe in Höhe des 10- bis 15-fachen des Berechnungsgrundbetrags verhängt.
Diese Bestimmung ist eine wichtige rechtliche Absicherung, die die Rechtmäßigkeit und Disziplin der Tätigkeiten von Schiedsgerichten stärkt, einen zuverlässigen Schutz staatlicher Interessen gewährleistet und Verstöße verhindert.
– Welche konkreten Änderungen wurden am Gesetz „Über Schiedsgerichte“ vorgenommen?
– Erstens wurde der rechtliche Status von Schiedsgerichten in der Gesetzgebung präzisiert. Insbesondere wurde die Satzung eines ständigen Schiedsgerichts als lokaler Rechtsakt definiert, der von der nichtstaatlichen, gemeinnützigen Organisation, die es gegründet hat, genehmigt wird.
Gleichzeitig wurde der Begriff „juristische Person“ im Gesetz durch „nichtstaatliche gemeinnützige Organisation“ ersetzt, und der Begriff „nichtstaatliche Einrichtung“ wurde durch „nichtstaatliche Struktur“ ersetzt.
Diese Änderungen präzisieren den institutionellen Status von Schiedsgerichten weiter.
Es wurde festgelegt, dass staatliche Stellen, Organisationen und Institutionen, Unternehmen mit staatlicher Beteiligung sowie zivilgesellschaftliche Einrichtungen keine Schiedsgerichte gründen oder Partei in Schiedsvereinbarungen sein dürfen.
Diese Bestimmung soll Schiedsverfahren in erster Linie im Rahmen privatrechtlicher Beziehungen halten und staatliche Interessen schützen.
Eine weitere wichtige Neuerung besteht darin, dass das Verfahren zur Einrichtung ständiger Schiedsgerichte präzisiert wurde. Solche Gerichte dürfen nun nur noch von nichtstaatlichen, gemeinnützigen Organisationen eingerichtet werden.
In diesem Zusammenhang wurde die Anforderung eingeführt, die Geschäftsordnung des Schiedsgerichts sowie eine Liste von mindestens drei Schiedsrichtern zu genehmigen, und es wurde die Verpflichtung festgelegt, die Gründungsunterlagen des Gerichts bei der zuständigen Justizbehörde einzureichen.
Das Gesetz führte zudem wichtige Einschränkungen der Zuständigkeit von Schiedsgerichten ein. Insbesondere wurde festgelegt, dass Streitigkeiten aus Verwaltungs-, Familien- und Arbeitsverhältnissen, Grundstücksangelegenheiten, Streitigkeiten über die Feststellung von Eigentumsrechten an Gebäuden und Bauwerken sowie Fälle im Zusammenhang mit der Rückforderung von Mitteln des Haushaltssystems nicht von Schiedsgerichten behandelt werden dürfen.
Darüber hinaus wurde der beruflichen Ausbildung von Schiedsrichtern besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Sie sind nun verpflichtet, Schulungskurse im Rahmen eines vom Justizministerium genehmigten Sonderprogramms zu absolvieren und ihre Qualifikationen regelmäßig zu verbessern. Dies wird dazu beitragen, die Qualität der Schiedsverfahren und die Stabilität der Schiedssprüche zu gewährleisten.
Das Gesetz wurde zudem um wichtige Bestimmungen zur Vermeidung von Interessenkonflikten ergänzt. Insbesondere wurde festgelegt, dass eine Person, die in einem bestimmten Schiedsverfahren als Schiedsrichter tätig war, anschließend nicht als Vertreter der Parteien in derselben Sache auftreten darf.
Das Verfahren zur Anfechtung von Schiedssprüchen wurde ebenfalls erweitert. Personen, deren Rechte und Pflichten durch einen Schiedsspruch festgelegt wurden, die jedoch nicht Partei des Verfahrens waren, können nun bei einem zuständigen Gericht die Aufhebung des Schiedsspruchs beantragen. Dies stärkt die Verfahrensgerechtigkeit und den Rechtsschutz.
Zudem wurde eine Bestimmung eingeführt, die es staatlichen Stellen, Organisationen und Institutionen, Unternehmen mit staatlicher Beteiligung sowie zivilgesellschaftlichen Einrichtungen untersagt, Schiedssprüche freiwillig zu vollstrecken. Dies ist eine wichtige Schutzmaßnahme, die zusätzlichen rechtlichen Schutz für staatliche Mittel und Interessen bietet.
– Welche Maßnahmen wurden zur Stärkung der Haushaltsdisziplin ergriffen?
– Die Änderungen des Haushaltsgesetzes dienen dem Schutz der finanziellen Interessen des Staates. Künftig sind die zuständigen Finanz- und Schatzamtstellen verpflichtet, an Gerichtsverfahren zur Rückforderung von Haushaltsmitteln teilzunehmen. Darüber hinaus wurde die Annahme von Waren und Dienstleistungen im Rahmen von Verträgen, die nicht beim Schatzamt registriert sind, untersagt.
Eine wichtige Änderung wurde auch im Bereich des öffentlichen Auftragswesens vorgenommen. Die Verpflichtung zur Registrierung öffentlicher Auftragsverträge bei den zuständigen Finanzbehörden wurde weiter verschärft.
– Wie beurteilen Sie die Änderungen der Prozessordnungen und generell die Reformen in diesem Bereich?
– Die Änderungen der Zivil- und Wirtschaftsprozessordnung stärken die Garantien des Rechtsschutzes. So trägt beispielsweise die Bestimmung, dass ein Richter, der an einem Schiedsverfahren teilgenommen hat, anschließend nicht als Vertreter in derselben Sache auftreten darf, dazu bei, Interessenkonflikte zu vermeiden.
Personen, die nicht an dem Verfahren beteiligt waren, deren Rechte und Pflichten jedoch betroffen waren, wurde ebenfalls das Recht eingeräumt, gegen Schiedssprüche Berufung einzulegen. Dies ist wichtig, um Verfahrensgerechtigkeit zu gewährleisten.
Dieses Gesetz ist zu einem wichtigen Schritt bei der Weiterentwicklung des Schiedsgerichtssystems und dessen Anpassung an moderne Anforderungen geworden.
Das Gesetz wird in der Praxis die in der Verfassung verankerten Rechtsgarantien gewährleisten, die Rechte von Bürgern und Unternehmen schützen und die finanziellen Interessen des Staates stärken. In dieser Hinsicht kann das Gesetz als wichtige Reform bewertet werden, die auf die Entwicklung des Systems der alternativen Streitbeilegung im Neuen Usbekistan abzielt.
Wir erinnern die Leser daran, dass dieses Gesetz am 24. Juli 2026 in Kraft treten wird.
Interview geführt von Norgul Abduraimova, UzA