Taschkents Wasserdiplomatie: Von nationalen Reformen zu regionaler Synergie in Zentralasien
Am 22. April findet in Astana der nächste Gipfel des Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS) statt, einer der führenden Organisationen der Region.
Das bevorstehende Treffen der Staatschefs der Gründungsstaaten hat besondere Bedeutung, da es den Übergang des Vorsitzes des Fonds an Usbekistan für den Zeitraum 2027–2029 markiert. Dies ist das dritte Mandat des Landes nach den Amtszeiten 1997–1999 und 2013–2016.
Es ist erwähnenswert, dass Taschkent bei der Gründung des IFAS eine Vorreiterrolle spielte. Die Wiederaufnahme dieser Führungsrolle nach einem Jahrzehnt erfolgt jedoch in einem grundlegend veränderten regionalen Umfeld. Heute verfügt Usbekistan nicht nur über bedeutendes Fachwissen, sondern auch über ein umfassendes Portfolio weltweit anerkannter Initiativen.
Die Transformation des usbekischen Wassersektors für eine nachhaltige Entwicklung
Angesichts zunehmender klimatischer Belastungen sowie eines robusten wirtschaftlichen und demografischen Wachstums hat sich Usbekistan zu einer grundlegenden Umstrukturierung seiner Wasserwirtschaft verpflichtet und diese zu einer zentralen Priorität der staatlichen Politik gemacht.
Objektive Daten unterstreichen die Komplexität der Situation. In den letzten 15 Jahren ist die Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit in der Republik um mehr als die Hälfte gesunken, von 3.000 auf 1.400 Kubikmeter pro Jahr. Nach Angaben des Ministeriums für Wasserressourcen ist das jährliche Volumen der Wasserressourcen auf 51–53 Milliarden Kubikmeter gesunken, was einem Rückgang von 21 % gegenüber dem Stand von 1991 (64 Milliarden Kubikmeter) entspricht.
Eine erhebliche Herausforderung bleibt die starke Abhängigkeit des Landes von externen Quellen, da etwa 80 % seines Oberflächenwassers (41 Milliarden Kubikmeter) aus dem Ausland stammen. Während der Wassermangel vor 2015 3 Milliarden Kubikmeter nicht überstieg, deuten Expertenprognosen darauf hin, dass das Defizit bis 2030 7 Milliarden Kubikmeter und bis 2050 15 Milliarden Kubikmeter erreichen könnte.
In Anerkennung des Ausmaßes dieser Risiken führt Usbekistan – unter der Führung von Shavkat Mirziyoyev – eine umfassende Modernisierung des Wassersektors durch. In weniger als einem Jahrzehnt ist die Fläche, auf der wassersparende Technologien zum Einsatz kommen, von 28.000 Hektar auf über 2,6 Millionen Hektar gestiegen und deckt nun mehr als 60 % aller bewässerten Flächen ab. Parallel zu diesen Bemühungen laufen landesweit groß angelegte Arbeiten zur Betonierung von Kanälen und zum Wiederaufbau von Wasserleitungsnetzen. Bis 2030 sollen diese systemischen Maßnahmen jährliche Wassereinsparungen von bis zu 15 Milliarden Kubikmetern ermöglichen.
Gleichzeitig durchläuft die Branche eine Digitalisierung. Derzeit werden 11 Informationsplattformen eingesetzt, um das Wasserkataster zu verwalten, Pumpstationen zu überwachen und den Stand der Landgewinnung zu verfolgen. In den letzten vier Jahren wurde die Verwaltung von 100 großen Wasseranlagen vollständig automatisiert, das „Smart Water“-System an 13.000 Wasserentnahmestellen eingeführt und mehr als 1.700 Pumpstationen mit Echtzeit-Online-Überwachungsgeräten ausgestattet.
Gleichzeitig durchläuft das nationale Wirtschaftsmodell eine strategische Anpassung. Nach Angaben des Zentrums für Wirtschaftsforschung und Reformen ist der Anteil der Landwirtschaft am BIP stetig von 32 % im Jahr 2017 auf 19 % bis 2024 zurückgegangen. Bemerkenswert ist, dass trotz dieses Rückgangs das Gesamtvolumen der landwirtschaftlichen Produktion um 17 % gestiegen ist. Diese Divergenz bestätigt einen erfolgreichen Übergang hin zu einer rationelleren, effizienteren Ressourcennutzung und höherer Produktivität.
Regionale Synergie und Wasserdiplomatie
Gleichzeitig hat Usbekistan bedeutende Ergebnisse in der internationalen Wasserkooperation erzielt. Die meisten der von Taschkent im Rahmen der IFAS vorgeschlagenen Initiativen wurden dank der Bündelung regionaler Anstrengungen und der aktiven Unterstützung internationaler Partner erfolgreich umgesetzt.
Der Hauptschwerpunkt dieser Arbeit lag auf der groß angelegten ökologischen Sanierung der Aralsee-Region. Auf dem ausgetrockneten Meeresboden und im Amu-Darja-Delta wurde ein Netz lokaler Gewässer geschaffen, darunter die Seensysteme Sudochye, Khojakul-Karajar und Maipost-Domalak, der Mejdurechensk-Stausee sowie die Buchten Muynak, Rybachy und Jyltyrbas.
Darüber hinaus laufen derzeit gewaltige Waldaufforstungsprojekte. Bis heute wurden auf einer Fläche von rund 2 Millionen Hektar Grünpflanzungen angelegt. In den nächsten zwei Jahren sind Schutzgürtel für weitere 400.000 Hektar geplant. Die Ausweitung des Netzwerks geschützter Naturgebiete – das in der Aralsee-Region mittlerweile 4,6 Millionen Hektar umfasst – hat nicht nur die Emission giftigen Staubs erheblich reduziert, sondern auch die notwendigen Voraussetzungen für die Wiederbelebung der lokalen Flora und Fauna geschaffen.
Die internationale Anerkennung dieser Bemühungen wurde 2019 auf einer hochrangigen Konferenz in Nukus bekräftigt, auf der die Aralsee-Region zur „Zone für ökologische Innovationen und Technologien“ erklärt wurde. Diese Initiative, die erstmals von Präsident Shavkat Mirziyoyev auf der 72. Sitzung der UN-Generalversammlung und dem IFAS-Gipfel im Jahr 2018 vorgeschlagen wurde, fand 2021 allgemeine Unterstützung, als die UN-Generalversammlung die entsprechende Resolution einstimmig verabschiedete.
Eine wichtige Ergänzung zu den politischen Initiativen war die Einrichtung des UN-Multi-Partner-Treuhandfonds für menschliche Sicherheit in der Aralsee-Region im Jahr 2018. Der von Usbekistan vorgeschlagene Fonds dient als wirksamer Mechanismus zur Mobilisierung von Gebermitteln und zur Koordinierung internationaler Bemühungen zur Bewältigung der drängendsten sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen der Region.
Neben der Entwicklung solcher Instrumente der finanziellen und humanitären Hilfe betrachtet Usbekistan die IFAS konsequent als die „führende Plattform für regionale Zusammenarbeit im Wasser- und Umweltbereich“, die eine einzigartige Rolle bei der Gewährleistung der Stabilität in Zentralasien spielt. Durch die qualitative Stärkung dieser Organisation beabsichtigt Taschkent, die gemeinsamen Interessen der Region auf der globalen Bühne zu fördern.
Darüber hinaus hat Usbekistan durch die Vorantreibung multilateraler Kooperationsformate einen diplomatischen Durchbruch erzielt. Ein unerschütterliches Bekenntnis zu den Prinzipien der guten Nachbarschaft und der Proaktivität hat den Weg für einen konstruktiven Dialog über die gemeinsame Bewirtschaftung der Wasserressourcen des Amu-Darja und der Syrdarja geebnet.
Konkrete Beispiele für diese Synergie sind die Vereinbarungen zwischen Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan über den Betrieb des Stausees „Bahri Tojik“ sowie die wegweisenden Beschlüsse von Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan zum Toktogul-Stausee und zum Bauprojekt des Wasserkraftwerks „Kambarata-1“.
Angesichts der zunehmenden Wasserknappheit ist der logische nächste Schritt der Übergang zu einer langfristigen strategischen Planung. Zu diesem Zweck schlug der Präsident Usbekistans auf dem siebten Konsultationstreffen der Staatschefs vor, den Zeitraum 2026–2036 als „Dekade praktischer Maßnahmen für die rationelle Wassernutzung in Zentralasien“ zu erklären. In der Erkenntnis, dass eine effektive Bewirtschaftung ohne hochqualifizierte Arbeitskräfte nicht möglich ist, plant Taschkent zudem die Einrichtung eines regionalen Kompetenzzentrums für Wasserwirtschaft an der Nationalen Forschungsuniversität TIIAME.
Ein entscheidendes Element der regionalen Wasserkooperation bleibt die Aufnahme eines Dialogs mit Afghanistan. Usbekistan setzt sich für die schrittweise Einbindung Kabuls in eine regionale Partnerschaft ein, die auf einem Interessenausgleich basiert. Als praktische Schritte schlägt Taschkent die gemeinsame Überwachung grenzüberschreitender Flüsse, den Austausch hydrometeorologischer Daten in Echtzeit und die Schaffung ständiger Expertenplattformen vor. Diese Maßnahmen sollen die Grundlage für eine faire und rationelle Wassernutzung in der gesamten Region schaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass groß angelegte interne Reformen in Verbindung mit einer proaktiven Außenpolitik eine solide Grundlage für den bevorstehenden Vorsitz Usbekistans im IFAS geschaffen haben. Während seines Mandats von 2027 bis 2029 beabsichtigt der Staat, der umfassenden Erneuerung des regulatorischen und institutionellen Rahmens des Fonds Priorität einzuräumen. Gleichzeitig werden die Bemühungen weiterhin auf die Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen, die Stärkung ökologischer Schutzmaßnahmen und die Ermittlung nachhaltiger Wege zur Erhöhung der Wasserversorgung der Region ausgerichtet sein. Letztendlich strebt Taschkent an, das internationale Ansehen der IFAS zu stärken und die Zusammenarbeit in den Bereichen Wasser und Ökologie zu einem Eckpfeiler der nachhaltigen Entwicklung und zu einem Garant für langfristige Stabilität für alle zentralasiatischen Nationen zu machen.
Lobar Umarova,
Leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Institut für strategische und regionale Studien beim Präsidenten der Republik Usbekistan