Usbekistans Zusammenarbeit mit der ADB: Von der Infrastrukturfinanzierung zu einer erweiterten strategischen Partnerschaft
Vom 3. bis 6. Mai 2026 findet in Samarkand die 59. Jahrestagung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) statt.
Zu der Veranstaltung werden die Leiter von Banken und Finanzinstituten aus 69 Mitgliedsländern sowie Vertreter internationaler Organisationen erwartet. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen die wichtigsten Entwicklungsherausforderungen Asiens und mögliche Lösungsansätze.
Die Ausrichtung eines solchen hochrangigen Forums in Usbekistan spiegelt die wachsende Anerkennung der laufenden Wirtschaftsreformen des Landes und seine gestärkte Position innerhalb des globalen Finanzsystems wider. Ein wesentlicher Faktor war auch die bemerkenswerte Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und der ADB in den letzten Jahren, wie eine Reihe objektiver internationaler Bewertungen der sozioökonomischen Entwicklung des Landes belegt.
Erstens hat sich das internationale Ansehen Usbekistans stetig verbessert, und seine Platzierung in globalen Rankings hat sich verbessert. Insbesondere im von der Weltbank veröffentlichten Government Technology Maturity Index stieg das Land um 71 Plätze auf und schaffte es damit unter die Top Ten der Welt.
Zweitens verzeichnet Usbekistan trotz anhaltender Störungen in den globalen Produktions-, Transport- und Logistikketten, steigender Rohstoffpreise und verschärfter finanzieller Bedingungen weiterhin ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Im Jahr 2025 überstieg das Bruttoinlandsprodukt erstmals in der Geschichte des Landes 145 Milliarden US-Dollar, und die Gold- und Devisenreserven lagen bei über 60 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig stieg das Volumen der angezogenen Auslandsinvestitionen deutlich an und erreichte 43,1 Milliarden US-Dollar, wobei der Anteil der Investitionen am BIP 31 Prozent überstieg. Darüber hinaus steigerte das Land trotz wachsenden Protektionismus und Sanktionsdruck im globalen Handelssystem seine Exporte um 23 Prozent auf 33,4 Milliarden US-Dollar.
Drittens ist die Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und der ADB umfassend und langfristig angelegt. Das Gesamtportfolio gemeinsamer Initiativen umfasst 174 Projekte im Wert von 27,5 Milliarden US-Dollar, von denen 66 Projekte im Wert von 10,5 Milliarden US-Dollar bereits abgeschlossen wurden und weitere 30 Projekte im Wert von 4,6 Milliarden US-Dollar derzeit umgesetzt werden. Diese Zahlen bestätigen den Status der ADB als einer der führenden Entwicklungspartner Usbekistans.
Aufbauend auf den gesammelten Erfahrungen hat die ADB im August 2024 eine neue fünfjährige Partnerschaftsstrategie mit Usbekistan für den Zeitraum 2024–2028 auf den Weg gebracht. Zu ihren wichtigsten Prioritäten gehören die Unterstützung des Übergangs des Landes zu einer grünen und inklusiven Wirtschaft, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Privatsektors und die Förderung von Investitionen in Humankapital.
Darüber hinaus haben Usbekistan und die ADB eine Absichtserklärung für den Zeitraum 2026–2028 unterzeichnet, die die Umsetzung von 28 Projekten im Gesamtwert von 4,2 Milliarden US-Dollar vorsieht.
Die Tatsache, dass das Treffen in Usbekistan stattfindet, positioniert das Land als regionalen Knotenpunkt für den Dialog über Entwicklung und Investitionen, demonstriert Fortschritte bei den Reformen und trägt dazu bei, globale Partner zu gewinnen, um die nachhaltige Entwicklung des Landes zu beschleunigen. Experten zufolge wird das Treffen als wichtige Plattform zur Stärkung der Zusammenarbeit und zum Abschluss vorrangiger Vereinbarungen zwischen der Regierung Usbekistans und der ADB dienen.
Um die langfristigen Prioritäten zu festigen, brachte der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev zudem eine Initiative vor, den Gipfel in Samarkand mit der Unterzeichnung eines wichtigen Dokuments zu krönen – dem erweiterten strategischen Partnerschaftsprogramm mit der ADB für den Zeitraum 2027–2030. Es wird als mittelfristiger Fahrplan dienen, wobei der Schwerpunkt vor allem auf Humankapital und sozialer Resilienz liegt.
Somit hat sich die Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und der ADB von einer finanziellen Unterstützung zu einer strategischen Partnerschaft entwickelt. Heute finanziert die Bank Schlüsselprojekte, gestaltet die Reformagenda und unterstützt den langfristigen Wandel der nationalen Wirtschaft, wobei sie effektiv als institutioneller Partner fungiert.
Eine solche Zusammenarbeit eröffnet Usbekistan mehrere bedeutende Vorteile:
Wirtschaftlich – Zugang zu vergünstigten Darlehen und Zuschüssen, geringere Haushaltsbelastung bei der Umsetzung groß angelegter Programme, Verbesserung des Investitionsklimas und Zufluss langfristiger ausländischer Investitionen, Infrastrukturentwicklung und Beschäftigungswachstum;
Strukturell – Beschleunigung der Marktreformen, Liberalisierung und Diversifizierung der Wirtschaft sowie Entwicklung des Privatsektors;
Strategisch – Integration in die Weltwirtschaft, Übergang zu einem Modell des grünen Wachstums sowie Beteiligung an regionalen Wertschöpfungsketten und Transport- und Logistikkorridoren.
Wie zu sehen ist, deckt sich die aktuelle Agenda der ADB weitgehend mit dem derzeitigen Reformkurs Usbekistans. Experten zufolge hat das Land seine nationale Strategie an den Prioritäten der Bank ausgerichtet und kann dadurch noch umfangreichere Finanzmittel anziehen, um Strukturreformen zu beschleunigen und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Insgesamt zeichnen sich die wichtigsten Merkmale des modernen Kooperationsmodells zwischen Usbekistan und der ADB durch Vollständigkeit (Abdeckung aller wichtigen Sektoren), strategische Ausrichtung (Abstimmung auf die langfristigen Ziele von „Usbekistan 2030“), institutionelle Tiefe (Reformen, Regulierung und Standards) sowie Nachhaltigkeit (Umweltschutz und Inklusivität) aus.
Somit ist die ADB heute nicht nur ein Kreditgeber, sondern ein wichtiger strategischer Partner bei Strukturreformen, der wirtschaftlichen Modernisierung und der Integration Usbekistans in die Weltwirtschaft.
Dmitriy Trostyanskiy,
Doktor der Wirtschaftswissenschaften,
Leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Institut für strategische und regionale Studien beim Präsidenten der Republik Usbekistan