Usbekistan setzt neue Akzente: Forum „Zentralasien – Deutschland“ startet in Khiwa
In der Stadt Khiwa wurde das erste Expertenforum „Zentralasien – Deutschland“ eröffnet, das einen bedeutenden Meilenstein für die Förderung des interregionalen Dialogs und die Entwicklung einer neuen Kooperationsarchitektur zwischen den zentralasiatischen Ländern und Deutschland darstellt.
Die Veranstaltung, die vom Institut für strategische und regionale Studien beim Präsidenten der Republik Usbekistan in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert wurde, brachte Vertreter von Expertenkreisen, internationalen Organisationen und führenden Thinktanks zusammen und unterstrich das große gegenseitige Interesse an einer Vertiefung der Partnerschaft.
In seiner Rede bei der Eröffnungszeremonie hob Eldor Aripov, Direktor des Instituts für strategische und regionale Studien beim Präsidenten der Republik Usbekistan, die symbolische Bedeutung der Austragung des Forums in Khiwa hervor – einer Stadt mit historischen Verbindungen zum deutschen Volk. Er wies darauf hin, dass sich im 19. Jahrhundert eine Gemeinschaft deutscher Mennoniten in der Region niedergelassen und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Khorezm geleistet habe, darunter die Einführung fortschrittlicher Technologien, die Entwicklung des Handwerks sowie die frühen Anfänge der Fotografie und des Kinos. „Diese historische Erfahrung zeigt deutlich, dass dort, wo Kultur und Wissen zusammenkommen, Entwicklung unweigerlich folgt“, sagte er.

In Bezug auf die aktuelle Agenda betonte Herr Aripov, dass die Einführung des Formats „Zentralasien – Deutschland“ ein natürliches Spiegelbild des tiefgreifenden Wandels sei, der sich in der gesamten Region vollziehe. Seiner Ansicht nach „bewegt sich Zentralasien stetig weg von seinem früheren Status als Peripherie globaler Prozesse und entwickelt sich zu einem dynamisch wachsenden Zentrum wirtschaftlicher Aktivität und Zusammenarbeit in Eurasien“.
Laut Herrn Aripov übersteigt das kombinierte Bruttoinlandsprodukt der Länder der Region bereits 400 Milliarden US-Dollar, und die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt bei rund 6 %, was deutlich über dem globalen Durchschnitt liegt. Er merkte an, dass diese Dynamik durch eine qualitative Stärkung der intraregionalen Beziehungen ermöglicht wurde – einschließlich wachsenden Handels, verstärkter Investitionstätigkeit und der Entwicklung industrieller Zusammenarbeit. „ Die Wirtschaft der Region funktioniert zunehmend als koordiniertes System“, sagte der ISRS-Direktor und verwies auf die Entstehung grenzüberschreitender Cluster und die Entwicklung integrierter Produktionsketten.
Der usbekische Experte widmete der wachsenden Bedeutung Zentralasiens in der globalen Logistik besondere Aufmerksamkeit. Herr Aripov betonte, dass angesichts der Instabilität der Seewege die Landkorridore durch Eurasien wieder an Bedeutung gewinnen und sich die Region zu einem wichtigen Bindeglied für eine widerstandsfähige Verkehrsanbindung zwischen Europa und Asien entwickelt.
Im Zusammenhang mit langfristigen Wachstumsfaktoren hob der ISRS-Direktor auch das demografische Potenzial der Region hervor. Seiner Einschätzung zufolge wird die Bevölkerung Zentralasiens bis 2050 voraussichtlich 100 Millionen erreichen, während die Region weiterhin zu den jüngsten der Welt zählt. „Dies ist nicht nur ein demografischer Trend – es ist eine mächtige Entwicklungsressource, die die Nachfrage nach Technologie, Bildung und Innovation antreibt“, stellte er fest.
Ein wesentlicher Teil der Rede konzentrierte sich auf die Rolle Usbekistans bei der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit. Herr Aripov stellte fest, dass dank der konsequenten und zukunftsorientierten Politik des Präsidenten der Republik Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev, in Zentralasien ein grundlegend neues Klima entstanden sei – eines, das von Vertrauen, guter Nachbarschaft und Offenheit geprägt sei. Seiner Ansicht nach war dies ein entscheidender Faktor für den Wandel der Region hin zu einem ausgereifteren Modell der Zusammenarbeit mit externen Partnern, das auf Gleichberechtigung, ausgewogener Interessenabwägung und einer langfristigen strategischen Vision beruht.
In diesem Zusammenhang gilt Deutschland als einer der wichtigsten Partner der Region. Herr Aripov erinnerte daran, dass Berlin eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der modernen Politik der Europäischen Union gegenüber Zentralasien gespielt habe und als Katalysator für die Entwicklung und Aktualisierung der entsprechenden EU-Strategie fungiert habe. „Deutschland ist heute einer der Architekten der europäischen Präsenz in der Region“, betonte er.
In Bezug auf die bilateralen Beziehungen stellte der ISRS-Direktor eine stetige positive Dynamik fest. Seinen Angaben zufolge hatte der Handelsumsatz zwischen Usbekistan und Deutschland bis Ende 2025 1 Milliarde US-Dollar überschritten, und das Portfolio gemeinsamer Investitionsprojekte belief sich auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Mehr als 200 Unternehmen mit deutschem Kapital sind im Land tätig, und die Zusammenarbeit verlagert sich zunehmend in Richtung technologischer Partnerschaften. „Rund 55 % der deutschen Exporte bestehen aus Hightech-Ausrüstung und technischen Lösungen, was die Komplementarität unserer Volkswirtschaften widerspiegelt“, sagte Herr Aripov.
Als vorrangige Bereiche für die weitere Zusammenarbeit hob der ISRS-Direktor die Einrichtung spezialisierter Industriezonen mit besonderen Bedingungen für die Entwicklung der Maschinenbau-, Chemie- und Elektroindustrie hervor; die gemeinsame Erkundung und Verarbeitung kritischer Bodenschätze; die Entwicklung von Humankapital und Mechanismen zur Arbeitskräftemobilität; den Ausbau der Zusammenarbeit im Umweltschutz und in der Wasserwirtschaft; sowie die Schaffung eines strukturierten Partnerschaftsmodells in der digitalen Wirtschaft und im IT-Sektor.
Wie der ISRS-Direktor betonte, schafft die Synergie zwischen dem technologischen Potenzial Deutschlands und der Ressourcen-, demografischen und logistischen Basis Zentralasiens einzigartige Voraussetzungen für den Aufbau einer langfristigen, nachhaltigen Partnerschaft. „Hier geht es nicht nur um Zusammenarbeit, sondern darum, gemeinsam eine neue Architektur des Engagements zu gestalten, die Technologie und Ressourcen, Investitionen und Humankapital zusammenbringt“, sagte er.
Abschließend zeigte sich Herr Aripov zuversichtlich, dass das Forum in Khiwa als Ausgangspunkt für einen regelmäßigen Experten-Dialog, die Stärkung fachlicher Kontakte und die Entwicklung neuer Initiativen dienen wird, die der Zusammenarbeit zwischen Zentralasien und Deutschland zusätzliche Impulse verleihen könnten.
Die Ausrichtung dieses Forums in Usbekistan bestätigt den wachsenden Status des Landes als wichtige Plattform für die Entwicklung strategischer Entscheidungen und die Förderung der internationalen Expertenzusammenarbeit. Seine Ergebnisse bilden eine solide Grundlage für den Ausbau der multilateralen Zusammenarbeit.
UzA