Studieren in Deutschland: Akademischer Austausch und sächsische Programme für usbekische Studierende
Die Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Deutschland nimmt in allen Bereichen stetig zu. Insbesondere im Bildungsbereich wurden in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt, wodurch die Zusammenarbeit ein neues, höheres Niveau erreicht hat.
Die Korrespondentin von UzA interviewte Zlikha Tileuova, Leiterin des sächsischen Wissenschaftsbüros in Usbekistan, zur Zusammenarbeit im Hochschulbereich, zum akademischen Austausch zwischen Usbekistan und Deutschland sowie zu den Aktivitäten des Büros.
– Könnten Sie uns zunächst bitte etwas über das Sächsische Wissenschaftsverbindungsbüro in Usbekistan erzählen, einschließlich seiner Hauptziele und seiner Rolle beim Ausbau der Bildungszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern?
– Wie allgemein bekannt ist, besteht Deutschland aus 16 Bundesländern. Für einen groben Vergleich mit Usbekistan lassen sie sich mit Regionen vergleichen. Sachsen ist eines dieser Bundesländer.
In den letzten Jahren hat die Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Deutschland in den Bereichen Wissenschaft, Hochschulwesen und Studentenaustausch deutlich zugenommen. Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung des Sächsischen Wissenschaftsverbindungsbüros an der Universität für Geowissenschaften in Taschkent am 16. November 2023, das als Vertretung der Hochschuleinrichtungen des Freistaates Sachsen in Usbekistan fungiert.
An der Eröffnungsfeier nahmen Führungskräfte relevanter Einrichtungen aus Usbekistan und Deutschland teil, darunter die Leitung der Universität für Geowissenschaften, Vertreter der Technischen Universität Freiberg sowie Beamte des sächsischen Ministeriums für Hochschulwesen.
Das Hauptziel der Repräsentanz ist die Stärkung der wissenschaftlichen und akademischen Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Deutschland. Sie soll den Austausch von Studierenden und wissenschaftlichem Personal fördern, jungen Menschen in Usbekistan sächsische Hochschulen näherbringen und praktische Beratung für diejenigen bieten, die ein Studium in Deutschland planen.
Mit anderen Worten: Die Repräsentanz bietet Studieninteressierten umfassende, kostenlose Unterstützung – von der Hilfe bei der Vorbereitung der Unterlagen und der Hochschulauswahl bis hin zur Klärung organisatorischer Fragen im Zusammenhang mit der akademischen Zusammenarbeit und dem Studium.
Darüber hinaus arbeitet die Repräsentanz mit Dozenten, Forschern und Hochschulen zusammen, die an akademischen Austauschprogrammen beteiligt sind, und stärkt so die wissenschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern.
– Wie viele Studierende aus Usbekistan sind derzeit an diesen Programmen in Deutschland beteiligt?
– Nach der Eröffnung der Repräsentanz hat das Sächsische Ministerium für Hochschulwesen das „Sächsische Studentenmobilitätsprogramm“ ins Leben gerufen, ein Förder- und Stipendienprogramm für Studierende aus Usbekistan und der Mongolei. Es soll die akademische Mobilität fördern.
Im Rahmen des Programms können Studierende nach Deutschland kommen und ein Semester lang an einer Hochschule ihrer Wahl studieren, unter der Betreuung eines Professors aus ihrem Interessengebiet.
Im Wintersemester des akademischen Jahres 2025–2026 nahmen 26 Studierende aus Usbekistan am akademischen Austausch im Rahmen dieses Programms teil, mit finanzieller Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Zwölf von ihnen studierten an der Technischen Universität Freiberg, während die übrigen an der Technischen Universität Dresden studierten. Zudem wurde ein akademischer Austausch mit der Hochschule Zittau organisiert, an der Studierende aus Usbekistan Internationale Beziehungen, Finanzwesen und Wirtschaftswissenschaften studierten.
Zu den Programmteilnehmern gehörten Studierende der Universität für Geowissenschaften, der Staatlichen Wirtschaftsuniversität Taschkent, der Universität für Architektur und Bauingenieurwesen Taschkent sowie der Staatlichen Universität für Bergbau und Technologien Nawoi. Sie alle studierten mit einem Stipendium in Deutschland.
Insgesamt verbrachten 16 Studierende aus Usbekistan ein Semester an deutschen Hochschulen. Darüber hinaus wird derzeit das sächsische Mobilitätsbotschafterprogramm für wissenschaftliche Mitarbeiter und Forscher von Hochschulen in Usbekistan umgesetzt. Es bietet die Möglichkeit, Praktika in Deutschland zu absolvieren und wissenschaftliche Erfahrungen auszutauschen.
– Ermöglichen diese akademischen Austauschprogramme also auch Dozenten und Forschern aus Usbekistan, an deutschen Hochschulen zu arbeiten?
– Ja, das ist völlig richtig. Das Programm verläuft jedoch in mehreren Phasen. Zunächst besuchten Professoren sächsischer Hochschulen Usbekistan und hielten Fachkurse an Einrichtungen wie der Universität für Geowissenschaften, der Staatlichen Universität für Bergbau und Technologien in Nawoi, dem Institut für Chemische Technologie in Taschkent und der Taschkenter Universität für Architektur und Bauingenieurwesen ab. Diese Kurse waren intensiv und konzentrierten sich tiefgehend auf bestimmte Fachgebiete.
Sieben Professoren sächsischer Hochschulen besuchten Usbekistan und hielten dort ein bis zwei Wochen lang kostenlosen Unterricht. Um einen deutschen Professor einzuladen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Lehrpläne und Ausbildungsprogramme der Hochschulen beider Länder miteinander vereinbar sind.
Wenn die Universität für Geowissenschaften beispielsweise einen Experten für Geologie, Mineralogie, Mineralzusammensetzungsanalyse oder eine andere wissenschaftliche Disziplin benötigt, wendet sie sich an unsere Repräsentanz.
Wir wiederum wenden uns an Professoren an sächsischen Hochschulen, die auf dem entsprechenden Gebiet tätig sind. Wenn die wissenschaftlichen Interessen und Forschungsgebiete der Wissenschaftler beider Seiten übereinstimmen, leisten wir praktische Unterstützung bei der Organisation der Zusammenarbeit.
Auf diese Weise tragen wir durch die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Hochschulen in Usbekistan zur Entwicklung der wissenschaftlichen und akademischen Zusammenarbeit bei. Gleichzeitig spielt die direkte Zusammenarbeit zwischen Professoren beider Länder eine Schlüsselrolle. Das Hauptziel einer solchen Zusammenarbeit ist es, die wissenschaftliche Forschung voranzutreiben und die akademischen Beziehungen zwischen Dozenten und Forschern zu stärken.
In diesem Zusammenhang deckt das sächsische Mobilitätsprogramm zwei Schlüsselbereiche ab. Der erste ist der Studentenaustausch, der zweite der Austausch von Forschern und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Das Programm wird derzeit in beiden Bereichen umgesetzt.
– Wie werden Studienaufenthalte von Studierenden sächsischer Hochschulen in Usbekistan zum Studium oder für Praktika an lokalen Hochschulen organisiert?
– Zu diesem Zweck gibt es eine eigene Initiative, das „Outgoing-Programm“, das es Studierenden sächsischer Hochschulen ermöglicht, an Praktika in Usbekistan teilzunehmen.
So absolvierten beispielsweise im vergangenen Jahr 20 Studierende aus Deutschland in Begleitung eines Professors ein zehntägiges Praktikum in den Bereichen Geologie, Mineralogie und Rohstoffkunde in Usbekistan. Es wurde an der Universität für Geowissenschaften, der Staatlichen Universität für Bergbau und Technologien in Nawoi sowie an weiteren Partnerhochschulen gemäß einem vereinbarten Programm organisiert.
Die deutschen Studierenden lobten die Möglichkeiten für Praktika, die Industrieunternehmen sowie die Ausbildungs- und Produktionseinrichtungen im usbekischen Bergbausektor in höchsten Tönen. Besonders beeindruckt waren sie von der Möglichkeit, an realen Produktionsprozessen teilzunehmen, was sich für sie als äußerst wertvolle Erfahrung erwies.
– Beispielsweise könnten Studierende der Nationalen Universität Usbekistans oder anderer lokaler Hochschulen, die ein weiterführendes Studium an sächsischen Hochschulen in Betracht ziehen, fragen: Wo sollen sie ihre Bewerbungen einreichen? Welche Auswahlkriterien gelten? Und worauf sollten sich Dozenten konzentrieren, die an akademischen Austauschprogrammen teilnehmen möchten?
– Diese Möglichkeiten stehen nicht nur Geologie-Fachleuten offen, sondern auch Vertretern aus den Bereichen Ingenieurwesen, Technik, Informationstechnologie, Chemietechnik und vielen anderen Fachgebieten.
Bewerber müssen Deutschkenntnisse nachweisen, um sich für Bachelor-Studiengänge einschreiben zu können, da etwa 99 Prozent dieser Studiengänge an sächsischen Hochschulen auf Deutsch abgehalten werden.
Für Master-Studiengänge reichen oft gute Englischkenntnisse aus. Als Nachweis der Sprachkenntnisse wird ein IELTS-Zertifikat akzeptiert, ebenso wie internationale Deutschzertifikate, darunter auch solche, die vom Goethe-Institut ausgestellt wurden.
Das Auswahlverfahren besteht aus zwei Stufen. Zunächst muss der Bewerber die Anforderungen der gewählten Hochschule und des Professors erfüllen. Erst danach kann die Bewerbung für ein Förder- oder Stipendienprogramm berücksichtigt werden.
In der ersten Stufe reicht der Studierende seine Unterlagen direkt bei der ausgewählten Hochschule ein. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass der Studiengang in Usbekistan mit dem Studienprogramm in Deutschland und mit den Forschungsinteressen des Professors übereinstimmt, unter dessen Betreuung der Studierende studieren möchte. Sowohl die Hochschule als auch der Professor legen ihre eigenen Anforderungen fest, die der Bewerber erfüllen muss.
In der zweiten Stufe, wenn ein Professor oder außerordentlicher Professor an einer sächsischen Hochschule sich bereit erklärt, einen usbekischen Studierenden aufzunehmen, beginnt das Auswahlverfahren für das wettbewerbsorientierte Stipendium. Zu diesem Zeitpunkt sind die Fremdsprachenkenntnisse des Bewerbers und die formelle Zustimmung des deutschen Professors zur Aufnahme des Studierenden entscheidend.
Im vergangenen Jahr bewarben sich 169 Studierende aus Usbekistan für das Stipendienprogramm. Im Anschluss an das Auswahlverfahren wurden 26 Bewerber empfohlen. Dies ist eine sehr hohe Zahl, selbst im Vergleich zu ähnlichen Förderprogrammen anderer Länder. Sie zeigt, dass sich die Englischkenntnisse und die fachliche Ausbildung junger Menschen in Usbekistan in den letzten Jahren deutlich verbessert haben.
Gleichzeitig betrifft der Prozess nicht nur den Studierenden, sondern auch dessen Dozenten. Denn eine Teilnahme ist erst möglich, nachdem eine Vereinbarung zwischen den Professoren der beiden Hochschulen getroffen wurde.
So bewarben sich beispielsweise 17 Studierende der Universität für Geowissenschaften für Masterstudiengänge. Auch wenn sie möglicherweise in derselben Studiengruppe studiert haben, wird jeder Bewerber in Deutschland individuell bewertet. Besonderes Augenmerk wird auf ihre Fähigkeit gelegt, selbstständig im Labor zu arbeiten, auf die Übereinstimmung zwischen den von ihnen belegten Fächern und den Studiengängen der deutschen Universität sowie auf ihre Beherrschung der Fachterminologie.
Ich bewundere die Studierenden aus Usbekistan aufrichtig. Jedes Jahr wachsen ihr Wissen, ihr Streben nach Selbstverbesserung und ihre Leidenschaft für die Wissenschaft weiter. Jede ihrer Leistungen erfüllt uns mit großer Freude und Stolz.
Wie allgemein bekannt ist, erfordert der Erwerb von Wissen viel Geduld und Mühe. Es ist nie einfach. Doch mit einem starken Lernwillen und beharrlichem Einsatz ist der Erfolg unausweichlich. Wir sind bestrebt, denjenigen, die sich auf diesen Weg begeben, die notwendige praktische Unterstützung zu bieten.
Interview geführt von Nasiba Ziyodullayeva, UzA