Amir Khan Muttaqi: Eine gemeinsame regionale Stimme wird zu einer strategischen Notwendigkeit
In Kabul fand das erste Forum von Thinktanks aus Afghanistan, den zentralasiatischen Ländern und Aserbaidschan statt, das vom Zentrum für Strategische Studien des afghanischen Außenministeriums organisiert wurde.
An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus Wissenschaft, Forschungseinrichtungen und Thinktanks aus Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und Afghanistan teil.
Im Mittelpunkt der Diskussionen standen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Ausbau der Verkehrs- und Transitverbindungen, die Zusammenarbeit bei Investitionen, klimatische Herausforderungen, regionale Sicherheit sowie die Stärkung der fachlichen Unterstützung für den zwischenstaatlichen Dialog.
Zur Eröffnung des Forums skizzierte der afghanische Außenminister Amir Khan Muttaqi Kabuls Vision für die Zukunft der regionalen Zusammenarbeit. Seiner Einschätzung nach befindet sich die derzeitige internationale Ordnung an einem „heiklen historischen Wendepunkt“, an dem neben Widersprüchen und konkurrierenden Ansätzen ein wachsendes Bestreben der Staaten nach Zusammenarbeit und multilateralem Engagement zu beobachten ist. Vor diesem Hintergrund hätten sich die Beziehungen Afghanistans zu den Ländern Zentralasiens und Aserbaidschans „mehr denn je zuvor gefestigt und ausgeweitet“, stellte der Außenminister fest – dank eines pragmatischen Ansatzes, der auf der Suche nach Chancen und gegenseitigem Nutzen beruhe.
„Heute sind wir hier nicht nur als Vertreter unserer jeweiligen Länder versammelt, sondern als Denker und intellektuelle Führungskräfte eines gemeinsamen geografischen Raums“, erklärte Muttaqi. Seinen Worten zufolge betrachtet Afghanistan Zentralasien als einen wichtigen Partner und ist daran interessiert, die Zusammenarbeit in allen Bereichen auszubauen. „Wir müssen einen praktischen und umfassenden Fahrplan für unsere künftige Partnerschaft in verschiedenen Bereichen entwickeln“, betonte der Minister.
Die Rede spiegelte deutlich Kabuls Offenheit für eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Ländern der Region sowie seine Bereitschaft wider, als verantwortungsbewusster Akteur in regionalen Angelegenheiten aufzutreten. Muttaqi merkte an, dass die erfolgreiche Einberufung des Ersten Konsultationsdialogs zwischen Afghanistan und Zentralasien eine wichtige politische Grundlage für eine weitere Annäherung geschaffen habe. Der nächste Schritt, so schlug er vor, könnte die Schaffung nachhaltiger Expertenmechanismen sein, die in der Lage sind, politische Vereinbarungen in praktische Projekte und Lösungen umzusetzen.
Die wirtschaftliche Vernetzung spielte in den Ausführungen des Ministers eine herausragende Rolle. Der afghanische Außenminister beschrieb Afghanistan als „natürliche Brücke zwischen Zentral- und Südasien“ und bekräftigte Kabuls Engagement für die Förderung des CASA-1000-Projekts, der TAPI-Gaspipeline, des TAP-Projekts, des Lapis-Lazuli-Korridors und der Trans-Afghan-Eisenbahn. Er betonte, dass Forschungseinrichtungen eine wichtige Rolle dabei spielen könnten, die wirtschaftlichen Vorteile dieser Initiativen hervorzuheben und das gegenseitige Vertrauen zwischen den Ländern der Region zu stärken.
Der Minister ging auch auf gemeinsame Herausforderungen ein. Er wies darauf hin, dass Klimawandel, Wasserknappheit, Umweltzerstörung und die Folgen von Konflikten die wirtschaftliche Entwicklung, die Verkehrsverbindungen, die Ernährungssicherheit und die Energiesicherheit beeinträchtigen. „Diese Bedrohungen machen nicht an politischen Grenzen Halt“, betonte Muttaqi und plädierte für gemeinsame Lösungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen und Expertengutachten.
Ein zentrales Thema der Rede war die Entwicklung einer eigenständigen regionalen Agenda. Nach Ansicht des afghanischen Außenministers verfügen die Länder der Region über ausreichendes intellektuelles, wirtschaftliches und politisches Potenzial, um ihre eigenen Entwicklungsprioritäten festzulegen. „Unsere Chancen, Herausforderungen und unsere gemeinsame Zukunft erfordern eine eigene, interne Vision“, stellte er fest und hob die Fähigkeit von Forschern aus Afghanistan, Zentralasien und Aserbaidschan hervor, regionale Entwicklungen unabhängig zu bewerten und Lösungen vorzuschlagen, die den Interessen der Staaten der Region dienen.
„Heute ist es wichtiger denn je, dass Forscher aus unserer Region selbst über die Realitäten, Chancen und Herausforderungen ihrer Region sprechen“, erklärte der Minister und forderte einen verstärkten Wissensaustausch, gemeinsame Forschung und einen nachhaltigen Experten-Dialog.
Muttaqi zeigte sich zuversichtlich, dass Thinktanks zu einem wichtigen Instrument der regionalen Diplomatie werden können. „Forschungszentren sind nicht nur akademische Einrichtungen; sie können als intellektuelle Partner und treibende Kräfte der regionalen Diplomatie fungieren“, erklärte er. In diesem Zusammenhang schlug er vor, ein nachhaltiges Kooperationsnetzwerk zwischen den Forschungseinrichtungen der Region aufzubauen, gemeinsame Forschungsprogramme zu entwickeln und den regelmäßigen Austausch von Expertengutachten zu fördern.
Zum Abschluss seiner Ausführungen betonte der afghanische Außenminister, dass die Zukunft der Region von einer stärkeren Zusammenarbeit, gegenseitigem Vertrauen und regionaler Vernetzung abhänge. „Eine stabile, prosperierende und sichere Zukunft für alle Länder der Region kann nur durch Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen, regionale Vernetzung und ein Verständnis für unsere gemeinsamen Interessen erreicht werden“, erklärte er. Er betonte zudem, dass „afghanische Forscher und Denker den Forschern in anderen Ländern die Hand zur akademischen Partnerschaft reichen“, und bekräftigte damit Kabuls Engagement für langfristige und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen zu den Ländern Zentralasiens und Aserbaidschans.
Zuvor war in Taschkent der internationale „Termez-Dialog zur Vernetzung zwischen Zentral- und Südasien“ stattgefunden, der ebenfalls Vertreter der Fachwelt, von Thinktanks und staatlichen Institutionen aus der gesamten Region zusammenbrachte. Am Rande der Veranstaltung hielten Experten aus Zentralasien und Afghanistan ein separates Treffen ab, um Perspektiven für den Ausbau der regionalen Zusammenarbeit, die Verbesserung der Verkehrs- und Transitverbindungen sowie die Förderung von Sicherheits- und Wirtschaftspartnerschaften zu erörtern. Unter anderem befassten sich die Teilnehmer mit der inhaltlichen Agenda für das bevorstehende Think-Tank-Forum in Kabul, das sie als wichtigen Schritt zur Institutionalisierung des Experten-Dialogs zwischen Afghanistan, den zentralasiatischen Ländern und Aserbaidschan betrachteten.
UzA