Vom zwischenstaatlichen Vertrauen zur öffentlichen Solidarität: Regionale Identität in Zentralasien in Bischkek diskutiert
Am 22. Juli fand in Bischkek ein Expertenseminar statt, das sich mit der Bildung und Stärkung einer gemeinsamen regionalen Identität in Zentralasien befasste.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Besuchsprogramms der Delegation der Republik Usbekistan abgehalten.
Im Mittelpunkt des Treffens stand die Erörterung eines Konzeptentwurfs zur Bildung und Stärkung der zentralasiatischen regionalen Identität.
Das Seminar wurde vom Institut für strategische und regionale Studien (ISRS) beim Präsidenten der Republik Usbekistan gemeinsam mit dem Nationalen Institut für strategische Initiativen beim Präsidenten der Kirgisischen Republik organisiert, mit Unterstützung der Schweizer Stiftung PeaceNexus.
Zu Beginn der Diskussion stellte Akramjon Nematov, erster stellvertretender Direktor des ISRS, fest, dass Zentralasien in eine qualitativ neue Entwicklungsphase eingetreten sei. In den letzten Jahren hätten die Länder der Region das gegenseitige Vertrauen erheblich gestärkt, die Vernetzung ausgebaut und viele der Hindernisse beseitigt, die zuvor die regionale Zusammenarbeit eingeschränkt hatten.
Seiner Ansicht nach ist der erreichte Grad der Konsolidierung kein Selbstzweck. Sein Hauptwert liege darin, eine solide Grundlage für dauerhaften Frieden, nachhaltige Entwicklung und eine verbesserte Lebensqualität zu schaffen. Die Bevölkerung Zentralasiens sei der Hauptnutznießer dieser Veränderungen durch eine stärkere Verkehrsanbindung, die Entwicklung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte, einen aktiveren humanitären Austausch und die Entstehung neuer Kooperationsmöglichkeiten.
Gleichzeitig wurde betont, dass zwischenstaatliche Abkommen allein nicht ausreichen, um die positive Dynamik aufrechtzuerhalten. Die regionale Annäherung muss breite öffentliche Unterstützung finden und auf einem gemeinsamen Verständnis der langfristigen gemeinsamen Interessen der Länder beruhen. Der Entwurf des Konzepts zur Bildung und Stärkung einer zentralasiatischen regionalen Identität soll genau diesem Zweck dienen.
Die Teilnehmer betonten, dass die Initiative nicht darauf abzielt, die nationale Identität oder Souveränität zu verwässern. Im Gegenteil: Die regionale Identität wird als natürliche Ergänzung zur nationalen Identität betrachtet, die auf der Anerkennung einer einfachen gegenseitigen Abhängigkeit beruht: Frieden, Sicherheit und Wohlstand in jedem zentralasiatischen Land tragen direkt zum Wohlergehen der Region als Ganzes bei. Als ihre wichtigsten Grundlagen wurden ein gemeinsamer historischer, kultureller und zivilisatorischer Raum, ähnliche geistige und moralische Werte sowie eine gemeinsame Zukunftsvision identifiziert.
Die Teilnehmer stellten fest, dass das Seminar in Bischkek eine Reihe von Expertendiskussionen fortsetzte, die zuvor in Taschkent und im Fergana-Tal stattgefunden hatten. Von Beginn an wurde das Konzept in einem offenen und inklusiven Prozess unter breiter Beteiligung der Expertenkreise aller zentralasiatischen Staaten entwickelt, wodurch das Dokument zu einem gemeinsamen intellektuellen Produkt der Region wurde.
Während des Seminars diskutierten die Experten den Inhalt des künftigen Konzepts, darunter das Bild des modernen „Zentralasiaten“, die Kernwerte, auf denen die regionale Identität beruht, die mögliche Übernahme internationaler Erfahrungen sowie mögliche Herausforderungen und Informationsbarrieren.
Besondere Aufmerksamkeit galt praktischen Mechanismen zur Stärkung des gemeinsamen Zugehörigkeitsgefühls der Menschen in der Region, darunter die Förderung der akademischen Mobilität, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, der Kreativwirtschaft, von Jugendprogrammen und Umweltinitiativen.
Im Anschluss an die Diskussion bekräftigten die Teilnehmer ihre Absicht, die gemeinsame Arbeit an dem Dokument fortzusetzen. Sie betonten, dass die regionale Identität vor allem eine praktische Dimension erhalten sollte, die zur Stärkung des Vertrauens, der gutnachbarlichen Beziehungen und der nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen den Staaten Zentralasiens beiträgt.
UzA