Rede des Präsidenten der Republik Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev, auf dem Regionalen Umweltgipfel
Eure Exzellenz, Kassym-Jomart Tokayev!
Sehr geehrte Leiter der Delegationen!
Meine Damen und Herren!
Zunächst möchte ich Seiner Exzellenz, dem Präsidenten der Republik Kasachstan, Kassym-Jomart Tokayev, meinen besonderen Dank für die Initiative zur Ausrichtung des Regionalen Umweltgipfels, das hohe organisatorische Niveau sowie die traditionell herzliche Gastfreundschaft aussprechen.
Usbekistan unterstützt voll und ganz das zentrale Thema des Gipfels „Gemeinsame Vision für eine widerstandsfähige Zukunft“, das die enge Verflechtung ökologischer Herausforderungen und die Notwendigkeit ihrer gemeinsamen Bewältigung hervorhebt.
Das heutige Treffen ist eine logische Fortsetzung des Dialogs, der im vergangenen Jahr beim Samarkand-Klimaforum eingeleitet wurde.
Es ist erfreulich zu sehen, dass die Umweltdiplomatie der zentralasiatischen Staaten ein neues Niveau an Kohärenz und Systematik erreicht.
Sehr geehrte Gipfelteilnehmer!
Heute können Umweltfragen nicht losgelöst vom globalen Klimawandel betrachtet werden.
Die Erderwärmung schreitet immer schneller voran, und die Temperaturen in Zentralasien steigen doppelt so schnell. Nahezu ein Drittel der Gletscher der Region ist bereits verschwunden, die Niederschlagsmuster werden zunehmend unbeständig, und die Wasserknappheit nimmt zu. Die Bodendegradation hat bereits 80 Millionen Hektar erfasst.
Die Abschwächung der globalen ökologischen Solidarität gibt Anlass zu großer Besorgnis. Erklärungen und Aufrufe werden nicht durch ausreichende Ressourcen untermauert. Wieder einmal sehen sich gerade jene Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, gezwungen, dessen Folgen allein zu bewältigen.
Wir sind überzeugt, dass sich internationale Solidarität in erster Linie darin zeigen muss, den Entwicklungsländern einen rechtzeitigen, gerechten und ungehinderten Zugang zu Klimafinanzierung, modernen Technologien und Innovationen zu gewährleisten.
Mit Genugtuung stelle ich fest, dass es den Staaten Zentralasiens gelungen ist, den Umweltschutz zu einer zentralen Priorität der regionalen Zusammenarbeit zu machen.
Beispiele für solche Partnerschaften sind das Regionale Programm „Grüne Agenda“ für Zentralasien, die Regionale Strategie zur Anpassung an den Klimawandel sowie das Regionale Umweltprogramm für nachhaltige Entwicklung.
Einen wichtigen Beitrag zu dieser gemeinsamen Aufgabe wird die heutige Verabschiedung der Erklärung „Ökologische Solidarität Zentralasiens“ sowie des Aktionsplans 2030 leisten, die in enger Partnerschaft mit den Organisationen der Vereinten Nationen umgesetzt werden sollen.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
Usbekistan setzt gezielte und systematische Maßnahmen zur Förderung ökologischer Nachhaltigkeit um.
Im Rahmen des Projekts „Yashil Makon“ wurden rund eine Milliarde Bäume und Sträucher gepflanzt. Auf dem trockengefallenen Boden des Aralsees wurden mehr als zwei Millionen Hektar aufgeforstet, und es entstehen neue „grüne Gürtel“. Auf unsere Initiative hin hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution über die „Dekade des Handelns für Aufforstung und Wiederbewaldung“ verabschiedet.
Dank unserer groß angelegten Maßnahmen zur Wassereinsparung werden jährlich 10 Milliarden Kubikmeter Wasser eingespart. Der Anteil erneuerbarer Energien an unserer Stromerzeugungskapazität hat bereits 30 Prozent erreicht und wird bis zum Ende des Jahrzehnts 50 Prozent überschreiten. Unsere Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen zur Reduzierung der Emissionen um 35 Prozent haben wir vorzeitig erfüllt und uns ein neues Ziel gesetzt, diese bis 2035 zu halbieren.
Wir setzen aktiv Projekte zur energetischen Verwertung von Abfällen um. In diesem Jahr werden zwei neue Müllverbrennungsanlagen in Betrieb genommen, weitere neun folgen in den nächsten zwei Jahren. Ihre Inbetriebnahme wird es ermöglichen, jährlich 5,5 Millionen Tonnen Abfall zu verarbeiten, 2,2 Milliarden Kilowattstunden Strom zu erzeugen und die Emissionen um mehr als 1 Million Tonnen zu reduzieren.
Sehr geehrte Leiter der Delegationen!
Angesichts der Klima- und Umweltherausforderungen bin ich überzeugt, dass Zentralasien gemeinsam handeln und Risiken in neue Wachstumschancen verwandeln muss. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Reihe konkreter Vorschläge unterbreiten.
Erstens. Angesichts der sich verschlechternden Luftqualität halte ich die Einrichtung eines zwischenstaatlichen Konsortiums „Saubere Luft Zentralasiens“ für einen wichtigen Schritt zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung der Region. Dieses Konsortium könnte als gemeinsamer Betreiber für „grüne“ Finanzierungen zur Modernisierung der Industrie und zur Einführung von Emissionskontrollsystemen dienen.
Zweitens. Ich schlage vor, dem Zentrum für die Bekämpfung der Desertifikation, die Prävention von Dürren und die Frühwarnung vor Sand- und Staubstürmen, das an der „Green University“ in Usbekistan tätig ist, einen regionalen Status zu verleihen. Die Bündelung wissenschaftlicher Kapazitäten wird die Schaffung eines effektiven Systems zur Überwachung der Bodendegradation sowie von Salz- und Staubemissionen ermöglichen.
Drittens. Zur Beschleunigung des technologischen Wandels schlage ich die Einrichtung eines „Zentralasiatischen Grünen Handelskorridors“ vor. Die Einführung präferenzieller Zollregelungen und die gegenseitige Anerkennung von Zertifikaten für umweltfreundliche Produkte werden die Modernisierung der Produktion beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte steigern.
Viertens. Ein weiterer Schritt sollte die Schaffung eines einheitlichen Investitionsportfolios für Klimaprojekte in Zentralasien sein. Dadurch können wir unseren Partnern eine umfassende Entwicklungsstrategie für die Region präsentieren, anstatt einer Vielzahl fragmentierter Initiativen, und so das Interesse an deren Umsetzung erhöhen.
Fünftens. Von großer Bedeutung für die Zukunft unserer Region ist die Erstellung eines einheitlichen regionalen Atlas der Umweltveränderungen in Zentralasien. Ich bin überzeugt, dass er eine solide wissenschaftliche und analytische Grundlage schaffen und die Dynamik der Desertifikation, der Bodendegradation sowie den Zustand der Wasserressourcen anschaulich darstellen wird.
Sechstens. Zum Schutz der biologischen Vielfalt schlagen wir die gemeinsame Entwicklung eines Roten Buches Zentralasiens vor. Das Regionalbüro der Internationalen Union für Naturschutz in Taschkent könnte die Koordinierung dieser Arbeit übernehmen. Dieses Rote Buch wird nicht nur eine Liste gefährdeter Arten sein, sondern eine wirksame Plattform für gemeinsame Maßnahmen.
Siebtens. Umweltbildung und die aktive Einbindung junger Menschen sind entscheidend für die Förderung der Klimaagenda und die Entwicklung einer ökologischen Kultur. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen der COP29 in Baku ein Beratender Umweltausschuss unter Beteiligung junger Menschen aus unseren Ländern eingerichtet. Ich schlage vor, im Jahr 2027 in Usbekistan ein Weltjugend-Klimaforum unter dem Dach dieses Ausschusses zu veranstalten.
Achtens. Zur weiteren Förderung der Umweltagenda wird in Samarkand vom 31. Mai bis zum 5. Juni die 8. Versammlung der Globalen Umweltfazilität stattfinden, sowie Ende September das Weltforum für Wassereinsparung.
Ich lade Sie ein, aktiv an diesen internationalen Foren teilzunehmen. Ich bin überzeugt, dass ihre Ergebnisse einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung wirksamer Initiativen für die nachhaltige Entwicklung unserer Länder und der gesamten Region leisten werden.
Sehr geehrte Gipfelteilnehmer!
Die heutigen Umwelt- und Klimaherausforderungen stellen unsere Länder vor große Prüfungen.
Die vollständige Umsetzung der heute verabschiedeten Dokumente wird es uns ermöglichen, uns nicht nur wirksam an wachsende Naturgefahren anzupassen, sondern diese auch in einen starken Motor für technologische Innovation, wirtschaftliches Wachstum und soziale Stabilität zu verwandeln.
Ich bin zuversichtlich, dass wir, gestützt auf unsere jahrhundertealten Traditionen guter Nachbarschaft und getragen von einem starken politischen Willen, Zentralasien in eine Region ökologischen Wohlstands und nachhaltiger Entwicklung verwandeln werden.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.