Usbekistan und Deutschland: Vom politischen Vertrauen zur technologischen Zusammenarbeit
Deutschland spielt in den Beziehungen Usbekistans zu Europa eine einzigartige Rolle, was nicht allein auf den politischen Einfluss Berlins oder die wirtschaftliche Größe des Landes zurückzuführen ist. Vielmehr ist Deutschland für Usbekistan ein wichtiger Partner in Bereichen wie Technologie, Industriemaschinen, Finanzen und berufliche Bildung.
Daher sollten die Beziehungen zwischen Usbekistan und Deutschland eher als langfristige Partnerschaft denn als bloße Außenhandelsbeziehungen betrachtet werden. Im Mittelpunkt dieser Partnerschaft stehen die Modernisierung der Industrie, der Ausbau der Finanzinfrastruktur und die Verbesserung der Qualität des Humankapitals.
Nach Angaben des Nationalen Statistikkomitees gehörte Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Handelsumsatz von 1.427,7 Millionen US-Dollar zu den wichtigsten Außenhandelspartnern Usbekistans. Bis 2024 belief sich dieser Betrag auf 1.253,4 Millionen US-Dollar. Auch das deutsche Statistikamt Destatis verzeichnete ein bemerkenswertes Wachstum im bilateralen Handel.
Die deutliche Verbesserung der Beziehungen zwischen Usbekistan und Deutschland ist unmittelbar auf die Ergebnisse des Zentralasien-Deutschland-Gipfels 2024 in Astana zurückzuführen. Das Forum hob wichtige Schwerpunkte hervor, darunter Investitionen und Technologie, kritische Rohstoffe, grüne Energie, Transport und Logistik, Klimawandel, Bildung sowie den kulturellen Austausch. Präsident Shavkat Mirziyoyev schlug konkrete Maßnahmen zur Stärkung der praktischen Zusammenarbeit vor, darunter die Einbindung führender deutscher Unternehmen und Banken in gemeinsame Projekte, die Gründung eines Zentralasien-Deutschland-Rates für Investoren und Unternehmer sowie die Einrichtung eines multilateralen Mechanismus zur Förderung und Absicherung von Investitionen.
Die am 11. Februar in Berlin von den Außenministern Deutschlands und Zentralasiens verabschiedete Deklaration markierte eine neue Phase in ihren politischen Bemühungen. Das Auswärtige Amt des Gastgeberlandes hob die Zusammenarbeit im Energiesektor hervor und erwähnte einen Fonds in Höhe von 2,7 Millionen Euro zur Stärkung des transkaspischen Verkehrskorridors.
Im Jahr 2025 entfielen 33,8 Prozent des Handels mit Deutschland – unserem wichtigsten Lieferanten in diesem Sektor – auf Maschinen und Transportausrüstung.
Im vergangenen Herbst nahm der Minister für Investitionen, Industrie und Handel, Laziz Kudratov, im Rahmen des Treffens der „World Alliance of International Financial Centers“ an einer Reihe von Gesprächen in Deutschland teil. Während dieses Besuchs wurde ein Kooperationsmemorandum mit „Frankfurt Main Finance“ unterzeichnet, um die Entwicklung des Finanzsektors zu fördern und Grundsätze für die institutionelle Zusammenarbeit festzulegen. Zudem fanden Gespräche mit der Geschäftsleitung der Deutschen Bank statt.
Dieses Dokument ermöglicht engere Verbindungen zu Frankfurt, einem führenden europäischen Finanzzentrum, über internationale Finanzinstitute und Investitionsplattformen. Es fördert zudem die Verlagerung der finanziellen Zusammenarbeit von offiziellen Treffen hin zu formelleren institutionellen Partnerschaften.
Derzeit betrachten deutsche Unternehmen Usbekistan zunehmend als Produktionsstandort und nicht mehr nur als Absatzmarkt. An dem Treffen von Präsident Shavkat Mirziyoyev mit führenden Vertretern der deutschen Wirtschaft und des Bankwesens in Samarkand nahmen große Unternehmen teil, darunter KNAUF, Gunter Papenburg, CLAAS, Siemens Energy, Aurubis, Ernst Klett, Siemens Healthineers, Herrenknecht, DB Engineering & Consulting, Svevind Energy, Rhenus und HMS Bergbau. Diese Auswahl der Teilnehmer spiegelt deutlich den Charakter der aktuellen Kooperationen wider: Baustoffproduktion, Maschinenbau, Energie, Metallurgie, Bildung, Medizintechnik, Tunnelbau, Logistik und Rohstoffe. Im Wesentlichen betrachtet Deutschland Usbekistan nicht nur als Exportziel, sondern als Plattform für vielfältige technologische Partnerschaften.
Der zwischenstaatliche Dialog konzentriert sich zunehmend auf Partnerschaften mit der Privatwirtschaft. Siemens Energy und Siemens Healthineers erkennen erhebliche Chancen zur Modernisierung der Energie- und Medizintechnikbranche. CLAAS und andere Landmaschinenhersteller streben eine verstärkte Mechanisierung der usbekischen Landwirtschaft an. Darüber hinaus sind Unternehmen wie Herrenknecht und DB Engineering & Consulting bereit, deutsche Technologien und ingenieurtechnisches Know-how in große Verkehrs- und Infrastrukturprojekte einzubringen.
Die Betonung der grünen Wirtschaft und der digitalen Transformation markiert eine neue Phase in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Usbekistan. Die im Februar 2026 vom Auswärtigen Amt verabschiedete Berliner Deklaration hebt erneuerbare Energien, Energieeffizienz und grünen Wasserstoff als zentrale Elemente der Partnerschaft mit Zentralasien, einschließlich Usbekistan, hervor. Dieser Fokus ist bewusst gewählt und spiegelt die wachsende Bedeutung wider, die Deutschland in seiner Außenpolitik und Wirtschaftsdiplomatie der grünen Industrie, der Wasserstoffenergie, der Anpassung an den Klimawandel und nachhaltigen Lieferketten beimisst. Auch Usbekistan hat den grünen Wandel zu einer Priorität in seinen Investitionsplänen gemacht. Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass grüne Energie, Energieeffizienz, saubere Industrien und Ressourcenschonung die nächste Phase ihrer Partnerschaft vorantreiben werden.
Dilshod Hakimov, UzA