Lehrer aus Usbekistan vermittelt deutschen Kindern ihre Muttersprache
1. Oktober – Tag der Lehre
Damit die Jugend in Zukunft geistig gesund, weltoffen, unabhängig und reif heranwächst, spielen neben den Eltern auch Lehrer und Mentoren eine unvergleichliche Rolle. Aus diesem Grund genießen die Vertreter dieses Berufsstandes – gleich welcher Nation oder in welchem Staat – stets Wertschätzung und Respekt. Die Lehrerinnen und Lehrer, die uns die ersten Buchstaben beigebracht, uns lesen und schreiben gelehrt und uns auf dem Weg ins selbständige Leben begleitet haben, erinnern wir immer in guter Erinnerung.

Unser heutiger Gesprächspartner ist ebenfalls ein solcher selbstloser Vertreter dieses Berufs. Der aus Samarkand stammende Alisher Qodirov ist nicht nur bei usbekischen, sondern auch bei deutschen Schülerinnen und Schülern ein beliebter Lehrer. Seit 2022 unterrichtet er an der Berliner Grundschule „Kolibri Grundschule“ deutsche Kinder im Fach Deutsch.

„Meine Eltern sind Lehrer, daher habe ich diesen Beruf schon seit meiner Kindheit geliebt“, sagt Alisher Qodirov. „Beim Erlernen von Fremdsprachen, insbesondere der deutschen Sprache, spielte meine Mutter eine wichtige Rolle, die selbst einst eine deutsche Schule besuchte. Schon in meiner Kindheit erzählte meine Mutter oft von meinem Großvater, der am Zweiten Weltkrieg teilgenommen und Berlin erreicht hatte. Sie berichtete, dass die Deutschen ein wahrheitsliebendes und diszipliniertes Volk seien und ihre Wirtschaft schon damals sehr entwickelt gewesen sei. Vielleicht wuchs deshalb mein Interesse und ich fasste den Wunsch, in Deutschland zu studieren und zu arbeiten. Dieser Traum war das Fundament dafür, dass ich heute in einem der höchstentwickelten Länder der Welt einen ehrenvollen Beruf – den des Lehrers – ausüben darf.“
Alisher eignete sich die deutsche Sprache gründlich an – in der Schule wie auch im Bildungszentrum. Nach dem Schulabschluss wurde er an die Usbekische Staatliche Universität für Weltsprachen, Fakultät für deutsche Philologie, aufgenommen. Schnell zählte er zu den besten Studierenden und gewann bereits im zweiten Studienjahr ein Stipendium für ein Sommerseminar an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. Dort tauschte er sich mit jungen Menschen aus anderen Ländern aus und erweiterte seinen Horizont.
Im dritten Studienjahr erhielt er ein Stipendium an der Universität „Heinrich Heine“ in Düsseldorf, das weltweit nur an drei Studierende vergeben wird. Es handelte sich um einen Sommerkurs für Sprachvermittlung.
So konnte Alisher sein Wissen vertiefen und fiel durch seine Aktivität unter Studierenden verschiedener Nationen den Dozenten positiv auf.

„Ich war sehr stolz darauf zu zeigen, dass die usbekische Jugend den jungen Menschen in hochentwickelten Ländern weder in Wissen, noch in Fähigkeit oder Begabung nachsteht“, sagt unser Gesprächspartner. „Während meiner ersten Bildungsreise nach Deutschland konnte ich erfolgreich meinen Bachelorabschluss machen und bestand auch die Aufnahmeprüfung für das Masterstudium. Anschließend erhielt ich ein einmonatiges Sommerstipendium an der Technischen Universität Braunschweig. Insgesamt nahm ich oft an solchen Projekten teil und reiste wiederholt nach Deutschland.“ Nachdem er 2017 seinen Masterabschluss erworben hatte, arbeitete er ein Jahr lang an der 178. Schule in Taschkent als Deutschlehrer. Danach unterrichtete er auch am Kolleg und an einer Hochschule. „Eine Zeit lang wuchs in mir der Wunsch, im Ausland als Lehrer zu arbeiten, und ich war überzeugt, dass ich das schaffen würde“, erzählt Alisher. „So bewarb ich mich als Betreuer im deutschen Sommerferienlager für Kinder und bestand das Auswahlgespräch. Gerade in dieser Zeit sammelte ich wertvolle Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern. Ich ließ meine Diplome anerkennen und stellte einen Antrag beim Berliner Bildungsministerium. In Deutschland ist es so geregelt: Jeder Lehrer wird durch ein Auswahlgespräch bei der obersten Behörde für Lehrkräfte eingestellt. Kurz gesagt: kein einfacher Prozess. Aber ich bestand als einfacher usbekischer Junge diese schwierige Prüfung und wurde eingestellt.“
In Deutschland gilt der Lehrerberuf als einer der angesehensten und ehrenvollsten Berufe. Die Bundesrepublik Deutschland belegt weltweit den ersten Platz, was die Bezahlung der Lehrer betrifft. Entsprechend hoch sind die Anforderungen bei der Auswahl von Fachkräften. Alisher wurde aus zahlreichen Bewerbern als einer der wenigen ausländischen Lehrer ausgewählt.
„Meine Erfolge verdanke ich vor allem der mühevollen Arbeit meiner Eltern“, fährt Alisher fort. „Sie haben mich auf jedem Schritt unterstützt. Ich erinnere mich noch, dass sie sogar einige Haushaltsgegenstände verkauft haben, um mein Studium zu finanzieren. Damals versprach ich mir selbst: Ich werde fleißig lernen, ein hochqualifizierter Fachmann werden, und dann werden meine Eltern all die Schwierigkeiten vergessen, die sie durchgestanden haben. Heute ist mein Traum in Erfüllung gegangen. Ohne mich selbst zu rühmen: Ich arbeite an einer angesehenen Schule in Berlin, verdiene ein gutes Gehalt und kann meine Familie und meine Eltern unterstützen. Ich konnte meinen Angehörigen viele Orte der Welt zeigen. Meine Eltern sind zwar im Ruhestand, doch sie hören nicht auf zu lernen und sich weiterzubilden – besonders Fremdsprachen, vor allem Deutsch. Das gibt auch mir Ansporn. Meine Eltern erinnern mich ständig daran, niemals stehenzubleiben, sondern noch höhere Ziele zu erreichen – nicht nur für die Familie, sondern auch für unser Volk, unser Heimatland und unser Dorf.“

Im Gespräch betont Alisher außerdem, dass in Usbekistan für junge Menschen, die lernen und forschen wollen, alle Türen offen stehen. Seiner Ansicht nach sind die breiten Möglichkeiten, die den jungen Usbeken geboten werden, die wichtigste Grundlage für jeden Erfolg.
„Es ist nicht ohne Schwierigkeiten, mit deutschen Kindern zu arbeiten und sie in ihrer Muttersprache zu unterrichten“, erzählt Alisher. „In Deutschland wird ein Kind sehr frei erzogen. Wenn es den Unterricht nicht mag, kann es dem Lehrer offen seine Unzufriedenheit mitteilen. Deshalb muss ein Lehrer ständig an sich arbeiten. Meine Schüler wissen, dass ich aus Usbekistan komme. Deshalb stellen sie viele Fragen über unser Land, unsere Menschen und unsere Geschichte. Ich erzähle ihnen viel über unser Land und unsere einzigartigen Städte. Alle hören mit großem Interesse zu. Zu Beginn begegneten mir nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer mit Skepsis. Doch durch unermüdliche Arbeit und ständiges Lernen konnte ich ihre Meinung ins Positive wenden. Heute unterstützen mich alle.“
Nach den Worten von Alisher Qodirov ist das Bildungssystem in Deutschland anders strukturiert. So umfasst die Grundschule die Klassen 1 bis 6, danach wechseln die Schüler in weiterführende Schulen. Ab der 6. Klasse entscheiden die Kinder selbst, ob und an welcher Universität sie später studieren möchten. In den Schulen gibt es auch Erzieher, die jeweils für eine Klasse zuständig sind. Der Lehrer unterrichtet nur, während der Erzieher das Verhalten der Kinder beaufsichtigt und mit den Eltern zusammenarbeitet. Darüber hinaus gibt es sogenannte Sozialarbeiter, also Fachkräfte, die die umfassende Entwicklung des Kindes und seine rechtliche Bildung koordinieren. Diese Aspekte, so Alisher, könnten auch in das Bildungssystem Usbekistans eingeführt werden, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.
„In unserem Land werden tiefgreifende Reformen durchgeführt, um das Bildungssystem grundlegend zu modernisieren, es auf das Niveau der höchstentwickelten Länder zu bringen und den Lehrkräften größere Möglichkeiten zu eröffnen“, betont Alisher Qodirov. „Vor kurzem traf unser Präsident mit den Pädagogen unseres Landes zusammen. Als Vertreter dieser Berufsgruppe habe ich diese wunderbare Begegnung mit großem Interesse verfolgt. Unser Präsident widmete den Lehrerinnen und Lehrern wie immer große Aufmerksamkeit und gab den Verantwortlichen Anweisungen, damit für die Kinder von Lehrkräften der Hochschulzugang erleichtert wird, damit Familien bessere Bedingungen erhalten und Banken für Lehrer vergünstigte Kredite bereitstellen. Auch die Erhöhung der Gehälter wurde beschlossen. Diese Fürsorge und Wertschätzung hat mich sehr gefreut. Denn in Zukunft möchte ich unbedingt in mein Heimatland zurückkehren und eine private Schule eröffnen, die nach den modernsten Bildungsstandards geführt wird. Ich möchte dazu beitragen, dass unsere Jugend – die Träger von morgen – als begabte, gebildete und kompetente Fachkräfte heranwächst. Mein Ziel ist es, die besten Erfahrungen im Bildungswesen zu verbreiten, auch in entlegenen Dörfern moderne Schulen zu eröffnen und so dafür zu sorgen, dass unsere Jugend zu gebildeten und reifen Fachkräften heranwächst.“
Go‘zal Sattorova, UzA