Wie die digitale Welt das Energiesystem verändert
Die weltweite Karte der Rechenzentren spiegelt nicht nur den Stand der digitalen Entwicklung wider, sondern auch die Fähigkeit zu einer zuverlässigen Energieversorgung.
Ein von Visual Capitalist erstelltes Ranking, das auf Daten des Dienstes „Data Center Map“ basiert, unterstreicht die Relevanz dieses Themas.
Laut der Plattform sind weltweit 11.363 Rechenzentren in 178 Ländern registriert. Die Vereinigten Staaten haben die meisten (4.240), gefolgt vom Vereinigten Königreich (525) und Deutschland (517).
Dem Dienst zufolge gibt es in Usbekistan 6 Rechenzentren.
In den letzten Jahren sind Rechenzentren nicht mehr nur rein technische Einrichtungen für das Hosting von Servern und die Speicherung von Daten. Sie sind neben Kommunikation, Verkehr und Energie zu einem der Schlüsselelemente der modernen Infrastruktur geworden.
Mit der rasanten Entwicklung von Cloud-Diensten und Technologien der künstlichen Intelligenz gewinnt nicht nur der Ausbau der Rechenkapazitäten an Bedeutung, sondern auch die Frage nach den Energiequellen, die diese antreiben.
Wie im Bericht „Energy and Artificial Intelligence“ der Internationalen Energieagentur festgestellt wird, könnte sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln und etwa 945 TWh erreichen, was etwa 3 % des weltweiten Energieverbrauchs ausmacht.
Zwischen 2024 und 2030 wird der Energieverbrauch von Rechenzentren voraussichtlich um durchschnittlich 15 % pro Jahr steigen – das ist das Vierfache der Wachstumsrate in anderen Sektoren.
Der Bericht betont, dass dieser Trend in erster Linie durch die rasante Entwicklung von Technologien der künstlichen Intelligenz angetrieben wird, wobei das Training und der Einsatz entsprechender Modelle größtenteils in Rechenzentren erfolgt.
Aus dieser Perspektive ist die Sicherstellung einer stabilen und vorhersehbaren Energieversorgung für Rechenzentren besonders wichtig.
Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur veranlasst der steigende Strombedarf die Länder dazu, eine Reihe von Lösungen einzuführen, darunter erneuerbare Energiequellen, Energiespeichersysteme sowie neue nukleare und geothermische Technologien.
Dies bedeutet nicht, dass Rechenzentren direkt an bestimmte Energiequellen gebunden sind. Mit dem Wachstum der Datenmengen und der Ausweitung von Cloud-Diensten und KI-basierten Lösungen steigen jedoch die Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit der Energiesysteme erheblich.
In diesem Zusammenhang spielt die Kernenergie eine Schlüsselrolle in den Diskussionen über Energiestrategien zur Gewährleistung einer nachhaltigen digitalen Entwicklung.
Für Usbekistan ist dieses Thema ebenfalls von praktischer Bedeutung. Die Kernenergie gilt als einer der vielversprechenden Bestandteile des künftigen Energiemix des Landes.
In dieser Hinsicht ist die Erfahrung von Rosatom von besonderem Interesse, das das Atomdata-Netzwerk von Rechenzentren durch die Integration digitaler Infrastruktur mit den Kapazitäten des Energiesektors entwickelt.
Nach den vorliegenden Daten umfasst das Netzwerk Standorte in der Region Twer, in Sankt Petersburg, Moskau und der Republik Tatarstan. Die Gesamtleistung beträgt mehr als 93 MW, und die Anzahl der Server-Racks übersteigt 6.500.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass große Unternehmen Rechenzentren zunehmend nicht mehr als isolierte IT-Einrichtungen betrachten, sondern als integralen Bestandteil der Energie- und Industrieinfrastruktur.
Somit sind die neuesten globalen Rechenzentrumsstatistiken nicht nur eine Diskussion über Digitalisierung, sondern ein Anlass, darüber nachzudenken, welche Länder in der Lage sein werden, eine nachhaltige Infrastrukturbasis für die digitale Wirtschaft bereitzustellen. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz liegt der Vorteil nicht nur bei denen, die über bedeutende Rechenressourcen verfügen, sondern auch bei denen, die deren zuverlässige und unterbrechungsfreie Energieversorgung gewährleisten können.
Nasiba Ziyodullayeva, UzA