Deutschland und Zentralasien: Experte fordert gleichberechtigte Partnerschaft und Ablehnung von Stereotypen
Am 16. und 17. April dieses Jahres findet in Khiwa das Expertenforum „Zentralasien – Deutschland“ statt, an dem Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Forschungsinstituten teilnehmen. Die Veranstaltung deckt ein breites Spektrum an Themen ab – vom politischen Dialog und der Sicherheit bis hin zu Wirtschaft, Verkehr, Energie und der Entwicklung des Humankapitals.
Das Forum findet im Rahmen der Initiative von Präsident Shavkat Mirziyoyev statt, die darauf abzielt, die fachliche Unterstützung für die strategische Partnerschaft zwischen Zentralasien und Deutschland zu stärken, wie sie auf dem Gipfeltreffen 2023 in Berlin skizziert wurde.
In seiner Rede während der ersten Sitzung stellte der Experte Alexander Wolters fest, dass Europa und Deutschland einen tiefgreifenden Wandel in ihren außenpolitischen Ansätzen durchlaufen. Seiner Ansicht nach gelten die Garantien der Nachkriegszeit nicht mehr, und heute nimmt ein neues System der internationalen Beziehungen Gestalt an.
Vor diesem Hintergrund, so betonte der Experte, werde Zentralasien nicht mehr als Peripherie betrachtet, sondern zunehmend als eigenständiger und wichtiger Knotenpunkt der eurasischen Politik und Wirtschaft angesehen. Er stellte fest, dass die Region ihre interne Koordination stärkt und zu einem konsolidierteren Akteur wird.
Laut Alexander Wolters schafft dies die Grundlage für eine pragmatischere und gleichberechtigtere Zusammenarbeit zwischen Europa und Zentralasien. Ein solcher Ansatz bedeutet, veraltete Stereotypen abzulegen und zu einer Interaktion überzugehen, die auf gegenseitigen Interessen basiert.
Er betonte zudem die Bedeutung Zentralasiens für die Sicherheit und regionale Stabilität, einschließlich der afghanischen Dimension.
Seiner Ansicht nach ist die Integration Afghanistans in die Wirtschafts- und Verkehrsnetze der Region bereits im Gange und könnte dazu beitragen, das Risiko von Instabilität zu verringern.
Konkret nannte Alexander Wolters den Ausbau von Verkehrskorridoren, vor allem transkaspischer Routen, die Stärkung der Energie- und Logistikvernetzung sowie den Ausbau des Bildungs- und Wissenschaftsaustauschs als vorrangige Bereiche der Zusammenarbeit zwischen den Ländern Zentralasiens und Deutschland.
Abschließend merkte er an, dass Deutschland eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der regionalen Integration in Zentralasien sowie bei der Entwicklung von Infrastruktur- und humanitären Projekten spielen könne. Seiner Einschätzung nach wird die Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und Zentralasien vom Übergang zu einem nachhaltigeren Modell gleichberechtigter, multilateraler Zusammenarbeit abhängen.
UzA