Migration ist nicht nur ein Ortswechsel – es geht um Humankapital, die Wirtschaft und eine sichere Zukunft
Am 18. und 19. Mai 2026 findet in Taschkent das Internationale Migrationsforum statt, das sich dem sozialen und rechtlichen Schutz von Arbeitsmigranten und ihren Familienangehörigen widmet. Mehr als 300 Vertreter von internationalen Organisationen, Regierungsbehörden, Wirtschaftskreisen und der Fachwelt werden zu der Veranstaltung erwartet, die als wichtige internationale Plattform gilt.
Das Forum wird von der Migrationsagentur des Ministerkabinetts der Republik Usbekistan in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) organisiert. Auf dem Programm stehen Diskussionen zu dringenden Themen wie Arbeitsmigration, Ausbildung von qualifiziertem Personal, Geschlechterfragen, Jugendbeteiligung und den Auswirkungen des Klimawandels auf die Migration. Außerdem sind B2B-, B2G- und G2G-Treffen sowie die Unterzeichnung neuer Kooperationsvereinbarungen geplant.
Heute wird Migration nicht nur als wirtschaftlicher Prozess, sondern auch als globales Thema anerkannt, das eng mit Menschenwürde, Arbeitsrechten und nachhaltiger Entwicklung verbunden ist. Im Vorfeld der Veranstaltung äußerten sich IOM-Experten zu Arbeitsmigration, Überweisungen, sicheren Arbeitskorridoren und Menschenrechten.
Überweisungen sind eine Lebensader, die Familien und die Wirtschaft verbindet
Laut Vivianne Van der Vorst, Senior Regional Project Manager bei der IOM, sind Geldüberweisungen das zentrale Bindeglied zwischen Migration und Entwicklung. Sie wies darauf hin, dass die von Arbeitsmigranten gesendeten Gelder eine wichtige finanzielle Ressource darstellen, die direkt von den ausländischen Arbeitsmärkten zu den Familien, lokalen Wirtschaftssystemen und Gemeinschaften fließt.
Die Expertin stellte fest, dass globale Geldüberweisungen zu den stärksten Verbindungen zwischen Migration und Entwicklung gehören. Diese Gelder erreichen die Familien schneller und zuverlässiger als externe Finanzhilfen. Es ist wichtig, Migration nicht nur als Bewegung von Menschen zu betrachten, sondern auch als einen Mechanismus für Entwicklung. Migration ist sowohl für die internationale als auch für die lokale Entwicklung von zentraler Bedeutung. Wenn dieser Prozess richtig gesteuert wird, schafft er neue Chancen für Migranten und ihre Familien, deckt den Arbeitsmarktbedarf in den Aufnahmeländern und unterstützt die Gemeinschaften in den Herkunftsländern.
Die Beamtin ging auch speziell auf Usbekistan ein und stellte fest, dass Überweisungen zu einem wichtigen Bestandteil der Wirtschaft des Landes geworden sind. Auf nationaler Ebene machen Überweisungen etwa 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Diese Mittel, die für die usbekische Wirtschaft von großer Bedeutung sind, stützen die Binnennachfrage, beleben die lokale Wirtschaftstätigkeit und entlasten den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig sind Überweisungen für viele usbekische Familien nicht nur ein zusätzliches Einkommen, sondern ein wichtiger Teil ihres regulären Haushaltsbudgets, der dazu beiträgt, den täglichen Bedarf, Bildung, Wohnen, Schuldenrückzahlung und Investitionen in die Zukunft ihrer Kinder zu decken.
Sichere Migration erfordert einen evidenzbasierten Ansatz
Timofte Ionela, Regionalkoordinatorin bei der Internationalen Organisation für Migration, betonte, dass die Gewährleistung einer sicheren und geordneten Migration zunächst eine klare Analyse und einen bedarfsorientierten Ansatz erfordert.
Ihrer Ansicht nach sollte der Prozess zur Schaffung neuer Arbeitskorridore oder zur Erweiterung bestehender auf Arbeitsmarktanalysen, Migrationstrends und potenziellen Risiken basieren.
Migrationspolitik sollte auf reale Bedürfnisse eingehen, nachhaltig sein und für Migranten, Herkunfts- und Aufnahmeländer gleichermaßen vorteilhafte Ergebnisse erzielen. Vor allem muss das System den menschlichen Interessen dienen. Menschenrechte und Schutzmechanismen sollten im Mittelpunkt aller Phasen der Migration stehen, einschließlich Vorbereitung, Beschäftigung, Rückkehr und Wiedereingliederung. Dies verringert das Risiko der Ausbeutung und ermöglicht es den Menschen, auf der Grundlage einer informierten Entscheidung sicher und unter menschenwürdigen Bedingungen zu migrieren.
Der Experte betonte, dass auch die Zusammenarbeit zwischen den Ländern von entscheidender Bedeutung sei. Eine sichere und geordnete Migration könne ohne die Zusammenarbeit zwischen Regierung, Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen nicht effektiv funktionieren.
Humankapital ist das zentrale Thema bei der Arbeitsmigration
Jason Theede, regionaler Themenspezialist der IOM, betonte, dass sich das System der Arbeitsmigration an die Bedürfnisse des modernen Arbeitsmarktes anpassen müsse.
Er merkte an, dass Arbeitskorridore von den Arbeitskräftebedürfnissen in den Aufnahmeländern und von den Qualifikationskapazitäten in den Herkunftsländern bestimmt werden sollten.
Ein evidenzbasierter Ansatz hilft dabei, die tatsächlichen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zu ermitteln und Qualifikationsungleichgewichte zu verringern. Die Anerkennung von Qualifikationen und Abschlüssen ist ebenfalls ein entscheidender Faktor für die Arbeitskräftemobilität. Die Zusammenarbeit zwischen dem Bildungssystem, den Arbeitgebern und den Mechanismen zur Anerkennung von Qualifikationen muss gestärkt werden. Dies wird die Personalbeschaffung und die Arbeitskräftemobilität erheblich erleichtern.
Dem Experten zufolge geht es bei der Arbeitsmigration nicht nur um Beschäftigung, sondern auch um die Integration einer Person in die Gesellschaft.
Die Schaffung von Möglichkeiten zum Sprachenlernen, zur Anpassung am Arbeitsplatz und zur weiteren beruflichen Weiterentwicklung gewährleistet langfristige Stabilität sowohl für den Arbeitnehmer als auch für das System.
Das in Taschkent stattfindende internationale Forum ist von Bedeutung, da es darauf abzielt, diese dringenden Fragen auf globaler Ebene zu erörtern, Mechanismen für eine sichere und legale Migration zu verbessern und die Priorität menschlicher Interessen sicherzustellen.
Musulmon Ziyo, UzA