Der chinesische Botschafter spricht vor Vertretern der Wissenschaft
Im Internationalen Institut für Zentralasien (IICA) hielt Yu Jun, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Volksrepublik China in Usbekistan, einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Chinas Entwicklung und das Format China – Zentralasien“.
Die Veranstaltung diente als wichtige Plattform für einen konstruktiven Meinungsaustausch über zentrale regionale Themen, die aktuelle Außenpolitik der VR China und die Aussichten für die bilaterale Partnerschaft.
An der Veranstaltung nahmen führende Vertreter der Wissenschaft und Forschung teil, darunter das Institut für Makroökonomische und Regionale Studien (ISRS), das Zentrum für Politische und Internationale Initiativen (CERR) sowie Dozenten und Studierende von akademischen Einrichtungen wie der Akademie für öffentliche Verwaltung, der Universität für Wirtschaft und Diplomatie (UWED), der Nationalen Universität, der Staatliche Wirtschaftsuniversität Taschkent (TSUE), der Staatliche Universität für Weltsprachen Usbekistans (UzSWLU) und der Staatlichen Universität für Orientalistik in Taschkent sowie Vertreter ausländischer Medien.
Zur Eröffnung der Veranstaltung betonte IICA-Direktor Javlon Vakhabov, dass die Rede des Botschafters am Institut nicht nur ein Meilenstein und eine Premiere für die Stärkung des analytischen und wissenschaftlichen Dialogs sei, sondern auch ein Schritt zur Schaffung einer nachhaltigen Plattform für die Förderung gemeinsamer strategischer Initiativen.
Ihm zufolge baut das Institut mit Unterstützung der chinesischen Botschaft in Taschkent aktiv Partnerschaften mit führenden Forschungseinrichtungen in China aus, darunter die Chinesische Akademie für Internationale Studien, die Institute für soziale Entwicklung in Europa und Asien, das Zentralasien-Forschungsinstitut der Shaanxi Normal University und die Shanghai Academy of International Studies.
In seiner Ansprache skizzierte Botschafter Yu Jun die wichtigsten Leitlinien der regionalen außenpolitischen Strategie Chinas und betonte das asiatische Modell der guten Nachbarschaft, der Zusammenarbeit und der Offenheit. Er unterstrich, dass Zentralasien als Region, die durch jahrtausendealte historische, kulturelle und geografische Bindungen mit China verbunden ist, einen besonderen Platz in der Außenpolitik des Landes einnimmt. „Alle fünf zentralasiatischen Länder haben den Status strategischer Partner Chinas, wodurch die Region nicht nur ein enger Nachbar, sondern auch ein verlässlicher Verbündeter beim Aufbau einer 'Schicksalsgemeinschaft' ist“, erklärte der chinesische Botschafter.
Besondere Aufmerksamkeit widmete der Botschafter der Dynamik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. In den letzten 30 Jahren ist das Handelsvolumen zwischen China und den zentralasiatischen Ländern von 460 Millionen US-Dollar auf 94,8 Milliarden US-Dollar gestiegen, während Chinas Direktinvestitionen in der Region 15 Milliarden US-Dollar überschritten haben. China hat eine führende Position als wichtigster Handels- und Investitionspartner der Region eingenommen. Nach Angaben des Diplomaten hat der Wert der gegenseitigen Ingenieurverträge mehrere zehn Milliarden US-Dollar überschritten, was auf eine rasche Ausweitung der praktischen Zusammenarbeit hindeutet.
Wie der Botschafter betonte, ist einer der wichtigsten logistischen Durchbrüche der Bau der Eisenbahnstrecke China – Kirgisistan – Usbekistan, die die kürzeste Route für den Transport von Gütern zwischen Ost- und Westasien werden wird. Heute passieren 80 Prozent der Containerzüge, die von China nach Europa fahren, Zentralasien. Im Jahr 2024 überstieg die Zahl dieser Züge 12.000 – ein Anstieg von 11,3 % gegenüber dem Vorjahr.
Der Redner ging auch auf Fragen des technologischen Wandels und der digitalen Zusammenarbeit ein. Er wies darauf hin, dass chinesische Unternehmen eine bedeutende Rolle beim Aufbau der digitalen Infrastruktur Usbekistans, der Einrichtung von Rechenzentren, 5G-Plattformen und Zentren für künstliche Intelligenz spielen. In diesem Zusammenhang kommt der aktiven Beteiligung Chinas an Projekten zur ökologischen Nachhaltigkeit und grünen Entwicklung, darunter der Bau von Solarkraftwerken und die Einführung intelligenter Wassersparsysteme, besondere Bedeutung zu.
Im humanitären Bereich zeigen China und die zentralasiatischen Länder eine starke Partnerschaft, die auf Respekt und gegenseitiger Unterstützung basiert, so der chinesische Diplomat. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung der Konfuzius-Institute sowie die Entwicklung des Programms „Luban-Workshops“ hervorgehoben, das auf die Ausbildung von technischen Fachkräften nach modernen chinesischen Standards abzielt.
Botschafter Yu Jun berichtete außerdem, dass auf Initiative Chinas erfolgreiche medizinische Programme in Zentralasien durchgeführt werden, darunter das internationale Expressprogramm „Bright Path“, in dessen Rahmen Tausende von Bürgern aus der Region, darunter auch aus Usbekistan, Augen- und Herzoperationen von führenden chinesischen Spezialisten erhalten haben.
Nach dem Vortrag fand eine Frage-und-Antwort-Runde statt, in der Vertreter der Expertengemeinschaft, der akademischen Kreise und der Analysezentren Usbekistans an den chinesischen Botschafter eine Reihe von substanziellen und aktuellen Fragen zu den Aussichten der bilateralen Beziehungen, der Zusammenarbeit im Rahmen der SOZ und dem Format China-Zentralasien richteten.
Ein wichtiger symbolischer Moment des Treffens war die offizielle Übergabe einer neuen Sammlung chinesischer Fachpublikationen an die Bibliothek des IICA. Die Sammlung umfasst Werke zu Geschichte, Politik, Recht, Kultur, Ökologie und Technologie, darunter „Ausgewählte Reden von Xi Jinping“ und moderne Forschungsarbeiten zur digitalen Transformation und Armutsbekämpfung. Nach Ansicht beider Seiten wird die gespendete Literatur eine wertvolle Quelle für Forschung und akademische Arbeit sein und die Kompetenzen des Instituts im Bereich China-Studien und wissenschaftliche Analyse der aktuellen Politik erweitern.
Abschließend äußerten beide Seiten ihre Zuversicht, dass der bevorstehende Gipfel China – Zentralasien 2025 in Astana und der SOZ-Gipfel in Tianjin neue Initiativen und Entscheidungen vorantreiben werden. Das Institut bekräftigte seine Absicht, bilaterale Formate aktiv mit Fachwissen zu unterstützen und die enge Zusammenarbeit mit der chinesischen Botschaft in Taschkent fortzusetzen, um gemeinsame wissenschaftliche, bildungspolitische und humanitäre Projekte umzusetzen.
G. Khonnazarov, UzA